29. September 2022

Art of Rally – Im GameWire-Review

Bereits seit dem vorletzten Jahr ist Art of Rally, die Rennsimulation der etwas anderen Art erhältlich. Im Oktober des letzten Jahres hat der kanadische Indie-Entwickler Funselektor dann auch jeweils eine Fassung für die PlayStation 4 und die PlayStation 5 veröffentlicht. Ich hatte nun die Möglichkeit, mir den Rallye-Titel ein wenig genauer anzusehen und verrate euch, wohin uns dieses Rennen verschlägt.

Art bedeutet Kunst

Art of Rally ist der zweite Titel vom noch jungen Entwicklerteam rund um Funselektor. Dass die Kanadier jedoch Ahnung von Rennspielen haben, zeigte bereits ihr Debüttitel Absolute Drift aus dem Jahr 2015. Ähnlich minimalistisch aber zeitgleich ausgesprochen detailreich präsentiert sich mir auch Art of Rally. Im Kern nimmt uns das Spiel auf eine Reise quer durch die Anfänge des Rallyesports mit. Hinweg durch verschiedene Jahrzehnte, durch verschiedene Autofabrikate und über verschiedene Kontinente. Und das ausgesprochen künstlerisch.

In ungewohnter Top-Down-Manier steuere ich die unterschiedlichen Fahrzeuge über ebenso unterschiedliche Pisten. Während einige Strecken nur ein paar Kilometer lang sind, erstrecken sich andere wiederum über eine deutlich längere Distanz. Für die nötige Abwechslung sorgen Wetterumschwünge oder die wunderschönen Landschaften. Ob wir im eisigen Norwegen im Dunkel der Nacht über eine schneeverwehte Piste preschen oder uns im sommerlichen und blütenreichen Japan an einer Bergpassage versuchen. Die Strecken sind herrlich kurzweilig und gespickt mit Details. Unter anderem springen uns mutige Zuschauer am Straßenrand aus dem weg, wenn wir mit unserem BMW zu nahe kommen oder wir driften auf einem vereisten See an Schneeraupen vorbei.

Dabei sieht Art of Rally sehr verträumt aus. Die Autos wirken fast wie kleine Spielzeugautos, die Zuschauer bestehen prinzipiell nur aus einem kleinen Stöckchen und die Farben sind bunt und satt. Alles eher untypisch für ein Rallyespiel. Schauen wir auf weitere Genrevertreter wie Overpass, Dakar 18 oder DiRT dann kommt Funselektor´s Titel nicht ebenso pompös oder gar vor realistischem Dreck triefend daher. Aber das muss auch gar nicht sein. Und mal ganz ehrlich. So unter uns. Unter Nerds. Manchmal sind die stilistisch und minimalistisch abweichenden Wege einfach beeindruckender sowie nachhaltig prägender.

Die Qual der Wahl. Irgendwie.

Apropos beeindruckend. Der Fuhrpark den uns die kanadischen Entwickler mit Art of Rally anbieten, könnte durchaus als solches bezeichnet werden. Denn während des Spielverlaufs, der Karriere, den Saisons, können wir am Ende auf über 50 Fahrzeuge der prägenden Rallye-Anfänge zugreifen. Dabei wird uns die Möglichkeit gegeben, ganze 30 Jahre Rennsportgeschichte hinter den Lenkrädern der Vehikel einzusaugen. Stark!

Während wir zu Beginn der Karriere noch mit rund 68 Pferdestärken über die Schotterpisten der unterschiedlichen Kontinente pesen, dürfen wir uns im weiteren Spielverlauf auch hinter das Lenkrad von hoch motorisierten Rennboliden setzen, die über 500 PS unter der Motorhaube schlummern haben. Dementsprechend häufig müssen von Rallye zu Rallye die Fahrzeuge gewechselt werden, um mit den Kontrahenten überhaupt mithalten zu können. Natürlich führt der häufige Fahrzeugwechsel auch dazu, dass wir uns immer wieder neu an die Vehikel herantasten müssen, um die perfekte Linie zu finden. Andernfalls gleicht das Grün rund um die Piste immer mehr einem durchgepflügten Acker.

Pass das Spiel deinen Bedürfnissen an

Das wird es jedoch ohnehin, denn auch wenn sich Art of Rally sowohl an Casual als auch Core Gamer richtet, verlangt es einiges an Können und Ausdauer vom Spieler. Einmal zu spät auf die Bremse getreten, das Lenkrad einmal zu hektisch nach links oder rechts gedreht oder einfach zu viel Gas gegeben und schon landen wir in der Vegetation und sammeln entsprechende Strafzeiten. Ein großer Vorteil ist in diesem Fall definitiv der Umstand dass wir uns während der einzelnen Etappen alleine auf der Rennstrecke befinden und uns somit nicht auch noch um lästige Verfolger kümmern müssen.

Wird die KI vor einem Rennen entsprechend runtergeschraubt, steht einem feinen Training nichts mehr im Wege. Und da so auch der ein oder andere Fahrfehler unsererseits verziehen wird, landen wir sehr oft auf dem oberen Podiumsplatz. Als Folge werden weitere Fahrzeuge und besondere Lackierungen freigeschaltet.

Wer von euch dagegen Lust auf einen bockschweren Renntitel hat, der darf den Schwierigkeitsgrad gerne erhöhen und gleichzeitig das Schadenslevel auf das Maximum setzten. Schon wird jede Strecke, egal ob Japan, Norwegen, Schottland oder Deutschland zu einer echten Herausforderung! Unsere Konkurrenten schlafen nicht und verzeihen keinen einzigen Fehler!

Augen auf im Straßenverkehr

Vor allem dann nicht, wenn wir unser Fahrzeug zwischen den Etappen so zerstört haben dass beispielsweise unsere Aufhängung nicht mehr mitspielt oder die Lenkung kurz vor dem Ende ist. Besonders schön finde ich, dass sich alle Schäden an unserem Fahrzeug unmittelbar auf die Fahrphysik auswirken. Mit einer defekten Aufhängung zieht das Fahrzeug beispielsweise unaufhörlich in eine bestimmte Richtung. Nerviges und zeitraubendes Gegenlenken ist die Folge. Ist der Rennschlitten einfach nur ganz banal verschmutzt, sorgen die Tonnen an Schlamm und Schnee dafür, dass wir an Höchstgeschwindigkeit einbüßen müssen.

Abseits des Rennsportalltags gibt es noch die Möglichkeit unterschiedliche Areale in Form der freien Fahrt zu besuchen. Hier gilt es dann Sammelgegenstände zu finden oder Orte für das ein oder andere Foto zu entdecken. Nebenbei können hier auch ganz in Ruhe ein paar Trophäen erspielt werden. Meiner Meinung nach eine gelungene Abwechslung und in Verbindung mit dem minimalistischen Soundtrack aus den 90ern herrlich entspannend.

Fazit

Ich bin von Art of Rally wirklich überrascht, da ich das Spiel überhaupt nicht auf meinem Radar hatte. Deshalb geht an dieser Stelle auch ein Dank raus an Funselektor. Dafür dass ich in den Genuss des Testexemplars gekommen bin. Ich hatte und habe noch immer meinen Spaß mit dem niedlichen aber gleichzeitig auch abgrundtief bösen Rallyetitel. Vor allem abends nach getaner Arbeit setzte ich mich gerne auf die Couch und drehe ein paar Runden durch das verschneite Norwegen. Immer auf der Jagd nach einer neuen Bestzeit. Immer auf der Jagd nach der perfekten Linie. Und dennoch bin ich am Ende eines jeden Rennens immer super entspannt!

  • 8/10
    Gameplay - 8/10
  • 9/10
    Sound - 9/10
  • 8/10
    Grafik - 8/10
  • 8/10
    Steuerung - 8/10
8.3/10

Mein Fazit

Der kanadische Entwickler Funselektor geht mit Art of Rally einen etwas anderen Weg. Weniger pompös und ohne geballter Grafikpower als wir es z.B. aus Spielen wie DiRT kennen. In diesem Fall ist es jedoch genau der richtige Weg, denn das Rennspiel überzeugt vor allem durch seinen minimalistischen Charme auf ganzer Linie. Egal ob wir uns der Karriere widmen, der freien Fahrt oder den wöchentlichen Events: Der Spaß steht an erster Stelle! Sowohl für Casual als auch Core Gamer!

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