29. September 2022

Gran Turismo 7 – Im GameWire-Review

Seit dem 4. März 2022 gehen mit Gran Turismo 7 die beeindruckenden Rennspektakel in eine neue Runde. Die von Polyphony Digital und Sony entwickelte Rennsimulation wurde von vielen Spielern sehnsüchtig erwartet. Ich hatte nun die Möglichkeit, mich selbst hinter das Lenkrad zu setzen, durch die Ausstellungsräume des Gebraucht- und Neuwagenhändlers zu schlendern oder mich an dem Erwerb der verschiedenen Rennlizenzen zu versuchen.

Das Franchise feiert derzeit sein 25-jähriges Jubiläum und fast genau so lange habe ich mich keinem Gran Turismo mehr zugewandt. Der Erstling aus dem Jahr 1989 ist bis dato mein einziger Ausflug in „the real driving simulator“. Von daher war ich anfänglich von der Aufgabe, Gran Turismo 7 auf Herz und Nieren zu prüfen nicht vollends begeistert. Schließlich habe ich mir an RIDE 4 oder Driveclub bereits die Zähne ausgebissen. Doch wie heißt es so schön: „Man wächst mit seinen Aufgaben!“

Was ich während meines ausgiebigen Tests erlebt habe und warum ich mich von Gran Turismo 7 nicht mehr abwenden kann erfahrt ihr im folgenden Test. An dieser Stelle geht noch ein recht herzlicher Dank an Sony für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. Dank euch bin ich nun ebenfalls der Gran Turismo-Sucht verfallen!

So wünsche ich mir den Einstieg

Direkt zu Beginn meines Spielerlebnisses offenbart sich mir als Rennsimulations-Muffel ein großer Pluspunkt. Das Spiel gibt mir die Wahl, ob ich mäßige bis starke Unterstützung wünsche oder die volle Dröhnung vertrage. Auch die KI für die späteren Rennen kann hier festgelegt werden. Hier können wir Gran Turismo 7 darum bitten, uns während der Rennen die Ideallinie anzeigen zu lassen, für uns vor Haarnadelkurven die Bremsen zu betätigen oder wahlweise auch direkt die Lenkung. Da ich kein völliger Neuling im Rennsport bin, habe ich mich für die normalen Einstellungen entschieden und bin während meiner Testphase wirklich gut durch das Spiel gekommen.

Während des Spielverlaufs, vor allem bei den zu erspielenden Rennlizenzen (dazu später mehr) erhalte ich als Spieler allerlei nützliche Tipps. So wird mir ab der A-Lizenz beispielsweise vorgeschlagen, es mal ohne automatische Bremsvorgänge zu versuchen, um meine Rundenzeiten zu verbessern. Nicht dass diese schlecht waren. Aber besser geht ja irgendwie immer. Darüber hinaus stehen uns Spielern vor jedem Event einige Personen zur Verfügung, die uns den einen oder anderen Ratschlag mit auf den Weg geben oder uns einfach etwas aus ihrem Privatleben erzählen. So vermittelt die begehrte Rennsimulation stets ein Teamgefühl und ist dabei, wie bereits gesagt, äußerst Einsteigerfreundlich.

So gut vorbereitet finden wir uns dann auch auf der Weltkarte von Gran Turismo 7 wieder. Wie in einigen Vorgängern ist die Weltkarte der Dreh- und Angelpunkt aller Aktivitäten. Wir haben z.B. Zugriff auf den Gebraucht- und Neuwagenhändler, unsere Garage oder einen Tuningshop. Natürlich gibt es noch allerlei weitere Areale, die von Zeit zu Zeit und mit steigendem Spielfortschritt zugänglich werden.

Ein Abstecher ins Café

Zu meiner Freude gibt es in Gran Turismo 7 auch wieder eine Kampagne. Hierzu finde ich mich im Café ein und treffe Luca. Der sympathische Typ ist nicht nur der Besitzer des Cafés, sondern gleichzeitig auch ein Autonarr, ein wanderndes Lexikon und mein Auftraggeber. In diesem Fall eher Menügeber. Denn die einzelnen Aufträge erhalten wir in Form von Menükarten. So möchte Luca unter anderem dass ich einige japanische Kompaktsportwagen sammele, mir Rennlizenzen erarbeite oder an Meisterschaften teilnehme. Mit jeder Komplettierung eines Menüs winken als Belohnung entweder neue Rennstrecken, neue Autos für die Sammlung oder Lose die in der Garage eingelöst werden wollen.

Spätestens die Kampagne schickt mich immer wieder zum Rennlizenz Center, einem weiteren Herzstück von Polyphony Digital´s Rennsimulation. Um nämlich im Spiel weiter vorwärts zu kommen, muss ich ab bestimmten Zeitpunkten auch eine entsprechende Rennlizenz mein Eigen nennen. Ohne diesen Nachweis bleibt mir die Teilnahme an einer Meisterschaft und damit auch viele Credits sowie weitere Fahrzeuge verwehrt. Und da ich Credits liebe, ist dies keine Option!

Um eine Rennlizenz zu erspielen, müssen einzelne Teilaufgaben erfolgreich gemeistert werden. Erfolgreich heißt in diesem Fall, dass ich mir mindestens die Bronzeauszeichnung erfahren muss. Im Fall der ersten B-Lizenz bedeutet das im Detail dass die Grundlagen wie die Ideallinie oder das Bremsverhalten in insgesamt neun Übungen veranschaulicht werden. Im Anschluss wartet noch eine Abschlussprüfung die das Erlernte abruft. Nach erfolgreicher Durchführung geht es auch schon mit der nächsten Lizenz weiter. Später werden die Übungen etwas kniffliger und die Autos in denen ich sitze auch schneller. Doch auch hier winken wieder ordentlich Credits und ein befriedigendes Gefühl, wenn die einzelnen Übungen mit Gold belohnt werden.

Eine Unmenge an Content

Jetzt habe ich schon häufiger über Credits gesprochen. Doch was genau hat es damit auf sich? Nun, bei den Credits handelt es sich um das Zahlungsmittel in der Welt von Gran Turismo. Ist das Bankkonto gut gefüllt, können neue Gebraucht- oder Neuwagen gekauft werden. Auch legendäre Autos können so den Besitzer wechseln. Darüber hinaus können im Tuningshop die einzelnen Vehikel aufgemotzt oder in GT Auto aufpoliert werden. Neuer Lack, neue Anbauteile oder die Verschleißteile erneuern kosten nun mal etwas Geld. Mal davon abgesehen, dass in Gran Turismo 7 über 400 Fahrzeuge auf uns warten. Über 400! Und zum Teil müssen hier für ein Auto 3.300.000 Credits auf den virtuellen Tresen gelegt werden.

Überhaupt ist Gran Turismo 7 extrem umfangreich und wird alle Käufer mit hunderten Spielstunden dafür belohnen. Und nein, ich übertreibe nicht. Die Kampagne und Rennlizenzen nehmen schon etwas Zeit in Anspruch. Doch auch das Tuning und die Individualisierung der eigenen Fahrzeuge nimmt einen nicht unerheblichen Teil der Spielzeit ein. Auch wenn es mir persönlich zu viel des Guten ist, werden andere Spieler mit Sicherheit ihren Spaß mit den Tuningmöglichkeiten haben. Neben vielen Anbauteilen gibt es die Möglichkeit, die Einstellungen eines jeden Fahrzeuges zu ändern und so auf die persönlichen Bedürfnisse anzupassen. Dieses Feature in Verbindung mit dem optischen Auftritt des Rennboliden ist schon sehr detailliert.

Sind alle Autos gesammelt, alle Lizenzen erspielt und alle Rennstrecken schon mal befahren, warten noch immer weitere Möglichkeiten auf mich. Im Scape-Pavillon z.B. können alle Autos in Szene gesetzt und abgelichtet werden. Hier können über 2.600 Schauplätze ausgewählt, das Fahrzeug positioniert und fotografiert werden. Dabei bieten mir Polyphony Digital und Sony alle Kameraeinstellungen, die auch moderne Spiegelreflexkameras bieten: Weißabgleich, Sättigung, Bildausschnitt, Fokus, Blende, und und und.

Natürlich gibt es in Gran Turismo 7 auch noch einen Mehrspieler-Modus. Über den entsprechenden Pavillon betreten, habe ich unter anderem die Möglichkeit, mit Spielern von allen Kontinenten auf unterschiedlichen Strecken per freier Fahrt an meiner Fahrtechnik zu feilen oder mir einen Eindruck einer jeden Strecke zu verschaffen. Dabei besteht auch die Möglichkeit miteinander zu chatten, was ebenfalls ein netter Zeitvertreib ist. Ansonsten stehen in GT Sport die üblichen Wettkämpfe an der Tagesordnung. Hier darf ich mich in Zeitfahrten, klassischen Rennen oder anderen Events austoben. Ihr merkt, auch hier gibt es eine Menge zu entdecken bzw. zu tun.

Nah am Fotorealismus dran

The real driving simulator Gran Turismo 7 spielt sich nicht nur gut, er sieht auch sehr schön aus. Die Weltkarte mitsamt ihrer unterschiedlichen Stationen ist für ein Rennspiel erstaunlich detailliert gestaltet und wirkt durch das sich wechselnde Wetter auch sehr dynamisch. Während meines Tests bin ich immer wieder gerne an diesen Ort zurückgekehrt, um die Kulisse auf mich wirken zu lassen. Auch die einzelnen Gebäude wie das idyllische Café in einem Waldstück, der moderne Neuwagenhändler oder die typische Garage wissen zu überzeugen. An sämtlichen Orten passt die Optik wie die Faust aufs Auge und wirkt sehr real.

Im Fokus des Titels stehen jedoch die Fahrzeuge. Wie gesagt, es gibt über 400 verschiedene Autos die auf uns warten und es sind alle Marken enthalten. Alle Autos die ich bisher gesehen habe, sehen sehr realistisch aus. Dieser Umstand lässt vor allem das Herz der Autofans höher schlagen. Treibe ich die Dodge Viper über den Nürburgring, dann sieht es fast so aus, als würde ich es live im Fernsehen sehen. Ja, richtig gelesen. Fast. Einige wirklich kleine Abstriche muss Gran Turismo 7 zumindest auf der PlayStation 4 machen. Es sieht wirklich alles super scharf und super knackig aus, doch es fehlt noch der letzte überspringende Funke für eine grandiose Optik. Das habe ich an anderer Stelle leider schon besser gesehen. Nichts desto trotz braucht sich die Rennsimulation nicht verstecken!

Neben der Optik sorgt auch die Soundkulisse für ein schönes Spielerlebnis. Es macht in der Praxis einen spürbaren Unterschied, ob der Rennwagen auf offener gerader Strecke unterwegs ist oder durch enge Gassen oder gar einem Tunnel ballert. Der Klang des Motors orientiert sich an der Umgebung und ändert dementsprechend auch seinen Sound. Hinzu gesellen sich die elektronischen Lieder basierend auf Remixen von klassischer Musik oder neuen Dubstep-Tracks. Auch hier hätte ich mir keinen besseren Soundtrack vorstellen können. Und wer von euch Lust auf Musik mit mehr Beats pro Minute hat, der stattet einfach der Musikrallye einen Besuch ab. Hier zeigt sich Gran Turismo 7 gleichzeitig auch arcadiger. Auf ausgewählten Strecken gilt es innerhalb der vorgegebenen Zeit durch möglichst viele Checkpoints zu fahren, um mehr Beatschläge zu sammeln. Ziel ist es, bis zum Ende eines jeden Liedes auszuhalten und gleichzeitig die Kilometeranzeige ordentlich nach oben zu schrauben.

Mein Fazit

Eigentlich wollte ich mich bei diesem Test kürzer halten. Aufgrund des enormen Umfangs von Gran Turismo 7 und meiner neu entdeckten Liebe zu the real driving simulator klappte dies nur bedingt. Es gibt einfach zu viel zu erkunden. Auch abseits der Kampagne. Und wenn ich euch Lesern einen vernünftigen Eindruck vom Spiel vermitteln möchte, dann muss ich auch wirklich so viel wie möglich erwähnen.

Abschließend kann ich jedoch sagen, dass mich Polyphony Digital und Sony wirklich überrascht haben und ich den Hype um dieses Franchise nun besser nachvollziehen kann. Es sieht nicht nur bildschön aus, hört sich gut an, es macht auch eine Menge Spaß! Auch mir als Anfänger. Der mit dem Rennspielsektor zwar vertraut ist aber eher mit Arcade-Titeln alá Need for Speed seinen Spaß hat. Vor allem für PlayStation 5-Nutzer ist Gran Turismo 7 als Exklusivtitel ein Pflichtkauf. Doch auch auf der PlayStation 4 macht es einen guten Eindruck. Während der gesamten Testphase hatte ich nicht einen einzigen Ruckler. Und das auf der „alten“ PlayStation 4.

Natürlich gibt es auch ein paar kleine Punkte zum Meckern aber das ist hier wirklich meckern auf hohem Niveau. Mir persönlich fehlt z.B. etwas das Schadensbild an den Fahrzeugen. Mehr als ein paar kleinere Beulen oder Dellen sind nicht drin. Auch wenn ich mit 240 km/h frontal gegen eine Begrenzungsmauer fahre. Aber aufgrund der Tatsache dass die Lizenzgeber ihre Autos nicht gerne beschädigt sehen möchten, kann ich diesen Umstand verkraften. Und verzeihen.

Ansonsten wird Gran Turismo 7 jedoch alle Spieler mit massig motivierenden Spielstunden versorgen. Und zwar neue sowie erfahrene Spieler. Sei es, die Rennlizenzen mit Gold abzuschließen, alle Fahrzeuge zu sammeln oder die Autos zu individualisieren. Das alles verschlingt schon ordentlich Zeit. Und dann sind da ja auch noch die Online-Rennen und Events gegen Fahrer aus der ganzen Welt. Langweilig wird diese Simulation auf jeden Fall nicht.

Ebenfalls lesenswert: Gran Turismo 7: Der Ankündigungstrailer

  • 9/10
    Gameplay - 9/10
  • 10/10
    Sound - 10/10
  • 9/10
    Grafik - 9/10
  • 9/10
    Steuerung - 9/10
9.3/10

Zusammenfassung

Sony und Polyphony Digital machen mit Gran Turismo 7 viel richtig und sprechen dabei eine Vielzahl an Spielern an. Die Rennsimulation kommt mit einer Menge Content im Kofferraum daher und beschäftigt alle Rennenthusiasten über mehrere Stunden hinweg. Sei es das Sammeln der Autos, den Erwerb der Rennlizenzen, der Multiplayer oder einzelne Missionen. Gran Turismo 7 ist herrlich eingängig, flüssig spielbar und obendrein noch hübsch anzusehen.

Folge und Teile uns: