23. Januar 2021

Assassin’s Creed Valhalla – Im GameWire-Review

Mit der Assassin’s Creed-Reihe ist Ubisoft zum Launch der vorletzten Generation ein großer Wurf gelungen. Der Mix aus historischer Epik und modernem Thriller mag nicht jedermanns Sache sein, hat aber durchaus eine gewisse Würze, die mit den folgenden Titeln weiter verfeinert wurde. So zählt Assassin’s Creed 2, mitsamt Protagonist Ezio Auditore da Firenze, noch immer als Highlight der Reihe.

Einer Reihe, die mit dem schwächelnden dritten Teil langsam einen anderen Weg einschlug, der – wieder zum Start einer Generation – mit Assassin’s Creed Blackflag erneut an Aufwind gewann. Die jüngeren Titel der Reihe, Origins und Odyssee bauten auf die offenere Welt weiter auf und addierten eine gewisse Menge an Rollenspiel-Elementen dazu, die der Reihe nach und nach eine andere Größenordnung verliehen. Mit Assassin’s Creed Valhalla, welches erneut den Wechsel zweier Generationen begleitet, soll dieses Rezept weiter vorangetreiben und verbessert werden. Wie steht’s darum?

In Valhalla übernimmt man die Kontrolle über Eivor Varinsdottir/son. Wie der Name impliziert, ist es auch hier wieder möglich, frei über das Geschlecht von Eivor zu entscheiden. Der Einfachheit halber nutzen wir im weiteren Testverlauf die feminine Form. Eivor, ihres Zeichens Mitglied des Rabenclans, ist das Kind von Ravin und Rosta. Im Kindesalter muss Eivor mit ansehen, wie beide Elternteile von Kjotve dem Grausamen überfallen und ermordet werden.

Eivor überlebt den Angriff, durch die Hilfe ihres Freundes und baldigem Stiefbruder Sigurd, dem Sohn des Königs Styrbjorn. Knappe 18 Jahre später sind die beiden, Eivor und Sigurd, unzertrennliche Freunde und Familie, kämpfen Seite an Seite, mit dem Ziel vor Augen, Kjotve den Grausamen ausfindig zu machen und für seine Gräueltaten büßen zu lassen. Gesagt getan, doch wird bei diesem Unterfangen schnell klar, dass Kjotve lediglich ein kleines Licht im Orden der Ältesten ist; einer geheimen Organisation, die die Geschicke der Welt aus dem Hintergrund leiten wollen, intrigieren, morden und meucheln, wo sie nur können.

Es liegt nun an Eivor, die Königreiche Norwegens und Englalands zu bereisen und gegen den Order Ältesten vorzugehen. Die können in einem übersichtlichen Menü, welches an Mittelerde: Mordors Schatten erinnert, inspiziert werden. Hat man mehr über sie herausgefunden, lässt sich dann auch ihre Spur verfolgen.

Auf ihrem Weg trifft Eivor nicht nur Feinde und Verbündete, sondern auch Zeichen mystischer und göttlicher Natur. Assassin’s Creed Valhalla geht hier All-In und bringt auch bekannte Persönlichkeiten, wie etwa die Söhne Ragnars ins Geschehen mit ein. Auf der anderen Seite des Animus wartet zudem Layla Hassan erneut darauf, ihren Kampf gegen Abstergo fortzuführen und sich von den Geschehnissen in Atlantis zu rehabilitieren. Nach wie vor ist es ein Balance-Akt, die beiden Zeitlinien mit einer sauberen Trennung voneinander laufen zu lassen, ohne die Atmosphäre zu destabilisieren. Hier geht Ubisoft diesmal kein Risiko ein und verringert die Reibungspunkte auf ein Minimum. Eine Wohltat, wie wir finden.

Im direkten Vergleich zum Vorgänger stellt sich Valhalla als sehr viel dunkleres Abenteuer dar, welches die Grausamkeit dieser Zeitspanne sehr gut einfängt und der/dem Spieler*in auch nicht selten die Möglichkeit gibt, Entscheidungen selbst zu treffen. Entscheidungen, die schwerwiegend sein können, die Konsequenzen nach sich ziehen und gegebenenfalls das falsche Leben kosten. Nein, die Welt von Valhalla lässt kaum einen Wunsch offen, wenn es um einen dichten, narrativen Schirm und Freiheiten geht.

Das gilt auch für das Gameplay des Spiels. Kurz gesagt, führt die Wikinger-Saga den Weg in Richtung vollwertiges Open World-RPG weiter fort und kommt mit gleich zwei großen Ländern, die es zu bereisen gilt, daher. Neben der enorm umfangreichen Hauptquest-Reihe, die sich ebenfalls in unterschiedliche Zweige aufteilt und sich hier und da kreuzt, kommt das Spiel mit unzähligen Nebenquests, Zufallsbegegnungen und Aktivitäten daher. Ob man nun in einer Partie Orlog die Würfel sprechen lässt, sich an einem Beleidigungs-Reimen-Spiel beteiligt oder versucht, drei Trinkhörner schneller als der Gegenüber zu leeren, ohne dabei umzukippen; Assassin’s Creed Valhalla kommt hier mit einer Hand voll lustigen Spielchen um die Ecke, die gut und gerne viele Stunden in Anspruch nehmen können.

Die Kernkomponente der Reihe, das Schleichen und Meucheln, ist hier natürlich ebenso vertreten, wie zuvor. Eivor kann Gegner wie gehabt still und leise erledigen, von Klippen stoßen, mit Sturzflugattacken kaltstellen oder auch in Heuhaufen und hohem Gras, ohne eine Spur zu hinterlassen, „ablegen“. Obgleich es wohl in der Natur der Wikinger liegt, sich eher an Raubzügen und Brandschatzungen zu beteiligen, was darin resultiert, dass wir in Valhalla gefühlt sehr viel weniger heimlich unterwegs sind. Das fröhliche Schwingen der Äxte und Schilde steht hier im Vordergrund, welches sich auch im Raubzug-System als Schlüssel zum Erfolg darstellt.

Ist man mit seinem Drachenboot auf den Flüssen Norwegens oder Englalands unterwegs, kann man an quasi jedem feindlichen Dorf anlegen und seiner Mannschaft den Befehl zum Rauben und Brandschatzen erteilen. Während feindliche Soldaten sich direkt in Richtung Küste drängen, um die Wikingerhorde in Empfang zu nehmen, rennen Zivilisten und Zuchttiere wild umher und erzeugen so eine chaotische Atmosphäre, die exakt dem Bild eines solchen Unterfangens entspricht, welches man wohl erwarten würde. Cool!

Mit erbeuteten Materialien und Gegenständen lassen sich zum einen Eivors Fähigkeiten aufbessern, da es hier und da auch neue Waffen und Ausrüstung zu finden gibt, zum anderen kann der eigene Heimathafen verbessert werden. Neue Ställe, eine feine Anlegestelle oder eine ordentliche Schmiede gefällig? Wer fleißig spart und raubt, wird all dies sein Eigen nennen können. Das Progressions-System schaltet hierbei auch stets neue Aufträge und Möglichkeiten frei, wie man mit der Welt und seiner Figur interagieren kann. Ein durchaus sympathisches System, welches für jede Aktivität belohnt.

An der Schmiede kann man sich beispielsweise seine Ausrüstung aufwerten lassen, um sie so beispielsweise im Rang aufzuwerten, Runen-Sockel freizuschalten oder eben Attribute wie Schaden, Geschwindigkeit oder Resistenz zu verbessern. Runen dienen als Boost für das besagte Teil und bieten kleinere Boni auf, zum Beispiel, eine gewisse Schadensart. Ein RPG-System, wie es im Buche steht!

Neben Waffen, wie Handäxten, Schilden und Bögen, kann Eivor natürlich auch neue Fähigkeiten erlernen. Durch gesammelte Erfahrungspunkte verdient man so Skillpunkte, die in einem Gestirn aus möglichen Verbesserungen investiert werden können. Neue Skills, verbesserte Attribute und passive Fähigkeiten liegen breit gefächert bereit und können nach und nach aktiviert werden. Das Fähigkeitennetz erinnert an Final Fantasy X’s Sphärobrett, hat jedoch den markanten Nachteil, dass sich neue Teilbereiche erst aufdecken, wenn man sich in ihre Richtung bewegt. Hat sich der Nebel gelöst, kann man sehen, welche Punkte auf einen warten. Das kann ordentlich nervig werden, wenn man Punkte investiert hat, um sich in die besagte Richtung fortzubewegen und dann vor einer Talentgruppe steht, die sich nicht und nur wenig in den bisherigen Spielstil integrieren lässt.

Des Weiteren lassen sich spezielle Manöver, die sich im Kampf nutzen lassen, in der offenen Welt finden. Eine nette Idee, die jedoch an dem System der Hauptquest krankt. Möchte oder kann man sich zu einem frühen Zeitpunkt im Spiel nicht auf freie Fahrt begeben, oder übersieht man solche einen Fund schlicht und ergreifend, verzichtet man unter Umständen auf nützliche Attacken, beziehungsweise kommt nur sehr viel später in deren Genuss. Sicherlich, ein Open World RPG lädt ohnehin dazu ein, auf Entdeckungsreisen zu gehen, jedoch wäre ein einsehbarer Indikator hilfreich gewesen, mit dem man sich die verfügbaren Fähigkeiten ansehen kann und somit von deren Existenz erfährt. Letzten Endes heißt dies: Exploration ist Trumpf.

Und eben diese belohnt jedoch nicht nur auf einem Wege. Man findet insgesamt weniger Ausrüstungsgegenstände als noch in Odyssey, dafür haben aber alle Teile einen insgesamt höheren wert und mehr Nutzen. Anstatt lediglich in eine Richtung in Punkto Power zu gehen, lädt Valhalla dazu ein, sich mit unterschiedlichen Sets an Equipment aufzustellen, die ganz unterschiedliche Attribute fördern und so eine gewisse Diversität garantieren. Wer dann auch noch genug ins Crafting investiert, wird schnell ein ordentliches Arsenal and Waffen und Rüstungen parat haben, um gegen den Orden in den Kampf zu ziehen.

Alles in Allem kann man guten Gewissens behaupten, dass Ubisoft in diesem Jahr, und zum Wechsel der Generationen, einen hervorragenden Ableger ihrer Erfolgsreihe am Start hat. Assassin’s Creed Valhalla hat sich das Grundgerüst der vorhergegangenen Titel hergenommen und haut hier und da nochmal ein Stockwerk obendrauf und sieht dabei auf der PS5 zudem noch unglaublich gut aus. Mit der Wahl zwischen Qualität oder Performance hat man zudem selbst zu jeder Zeit die Möglichkeit, auf reine Optik oder 60FPS abzuzielen. Besonders erstaunlich hierbei sind die enorm kurzen Ladezeiten, die auf der PS5 dank der so oft gelobten SSD im einstelligen Sekundenbereich liegen, statt wie auf der PS4 noch in einem mittleren, zweistelligen Areal.

Darüber hinaus kommt der Titel mit einem hochgradig atmosphärischen Soundtrack daher, der sich je nach Situation anpasst und somit manchmal seicht nebenher wabert, manchmal mit höherem Tempo peitschend auf mehr Action drängt. Die soliden deutschen Synchronsprecher geben sich darüber hinaus die größte Mühe, ihren Charakter Leben einzuhauchen und es möglichst „Wikinger-authentisch“ wirken zu lassen. Im positiven Sinne, ohne Übertreibungen und auch ohne Klischees. Historisch so korrekt wie möglich und möglichst nah an der Realität, das ist auch hier einmal mehr Ubisofts Prämisse. GameWire-Prädikat? Mission erfolgreich!

Lediglich einige Bugs und Glitches, wie herumfliegende Feinde, fehlende Kollision in Wänden und Böden oder auch Balancing-Fehler, die Feinde entweder zu One-Hittern machen oder diese wie durchgedreht durch die Gegend rasen lassen, trüben das ansonsten so hervorragende Spielgefühl.

Assassin's Creed Valhalla - Im GameWire-Review
  • 8.6/10
    Gameplay - 8.6/10
  • 9.3/10
    Sound - 9.3/10
  • 9.2/10
    Grafik - 9.2/10
  • 8.5/10
    Steuerung - 8.5/10
8.9/10

Zusammenfassung

Assassin’s Creed Valhalla ist der nächst größere Schritt in Ubisofts-Erfolgsserie. Valhalla kommt nicht nur mit einem coolen Setting daher, sondern verfeinert zudem auch die Open World RPG-Formel der Reihe an vielen Stellen. Der Sprung auf die neue Konsolengeneration ist geglückt!

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