30. September 2020

Rack N Ruin – Das GameWire-Review

Rack n Ruin Banner

Protagonist Rack hat es nicht leicht. Da wird er von seinem Oberdämon Ruin losgeschickt, um Planeten im Namen des Bösen zu erobern und nur weil er diese im Eifer des Gefechts zerstört, wird er auf den Planeten Gaia verbannt, an dem sich schon ganz andere, ebenfalls dämonische, Kaliber die Zähne ausgebissen haben. Doch wo andere scheiterten, will Rack siegreich hervorgehen und macht sich auf den blühenden Planeten in einen Hort des Bösen und der Verderbnis zu verwandeln. Und so beginnt sowohl Rack N Ruin als auch unser Test zur Nintendo Switch-Version des Spiels.

Denn nachdem die von LifeSpark Entertainment entwickelten PlayStation 4- und PC-Versionen bereits 2015 veröffentlicht wurden, dürfen sich interessierte Switch-Spieler nämlich erst seit kurzem mit dem Top Down-Action-Adventure vergnügen. Dabei legt ein erster Blick durchaus nahe, dass eine der Inspirationsquellen gewiss Nintendos The Legend of Zelda: A Link to the Past gewesen sein muss. Denn nicht nur wegen der Perspektive oder der durchaus charmanten Retro-Grafik zieht man diese Vergleiche, sondern auch wegen des generellen Dungeon-Designs.

Hier lauern natürlich zahlreiche Gegner ebenso wie fiese Rätsel, in denen beispielsweise Schalter gefunden oder Blöcke verschoben werden müssen. Doch je weiter man im Spiel voranschreitet, desto komplexer wird auch des Rätseldesign. So muss man beispielsweise gleichzeitig seinen Blitzzauber wirken und dadurch eine Schaltfläche kreieren, auf der man wiederum Blöcke in die richtige Reihenfolge bringen muss. Des Rätsels Lösung ist dabei nicht immer direkt ersichtlich und bringt einen durchaus zum Grübeln. Gut also, dass man meist sehr viel Zeit hat und selten gleichzeitig von den Heerscharen fieser Feinde malträtiert wird.

Und spätestens bei den Kämpfen, die einen Großteil des Gameplays ausmachen, verschwinden dann die letzten Vergleichsmöglichkeiten mit Links legendärem Super Nintendo-Abenteuer. Wo sich der Rest des Spiels als recht klassisches Action-Adventure präsentiert, wird er in den Kämpfen eher zu einer Art Bullet Hell-Shooter. Einmal deshalb, weil sich die meisten Gegner mit gefährlichen Projektilen verteidigen, und auf der anderen Seite, weil auch Rack eher Magier, denn Nahkämpfer ist. So ist schon die erste erlernbare Angriffsmöglichkeit nicht etwa die Nutzung blanken Stahls, sondern die Wirkung eines Feuerballs.

Das Dungeon-Design erinnert an Zelda, die Kämpfe eher weniger…

Rack und somit der Spieler sehen sich also mit ständigen Angriffen konfrontiert und müssen diesen ausweichen, während gleichzeitig nach einem Zeitfenster gesucht werden muss, um zurückzuschlagen. Leider gehört der Exil-Dämon nicht zur schnellsten seiner Art, weswegen sich die Kämpfe als eher mühselig, denn wirklich spaßig herausstellen. Und das ist ein besonders gewichtiger Kritikpunkt, wenn man bedenkt, wie häufig es zu Feindkontakt kommt. Selbst die Rätsel, die man als kleine Verschnaufpausen nutzen kann, führen meist zum nächsten Kampf.

Doch natürlich wird auch unser Dämon mit der Zeit immer mächtiger. Denn mit den Seelen verstorbener Gegner lassen sich nicht nur Fähigkeiten verbessern und erweitern, sondern auch Items kaufen, die einen kurzzeitig widerstandsfähiger oder stärker werden lassen. Die obligatorischen Heiltränke oder welche zur Auffüllung der Magie dürfen natürlich ebenfalls nicht fehlen.

Das vereinfacht wiederum die Kämpfe gegen die Standard- und auch die bildschirmfüllenden und beeindruckenden Boss-Kämpfe, bei denen man sogar taktisch vorgehen muss, möchte man siegreich hervorgehen. Die Angriffsmuster zu erlernen und die Attacken im besten Fall zu kontern, funktioniert hier am besten. Und es ist ähnlich wie einem Soulslike-Titel ein sehr befriedigendes Gefühl die Zwischen- oder Endgegner zu besiegen, auch wenn die Begegnungen niemals die Qualität der genreprägenden From Software-Spiele erreicht.

Die Boss-Kämpfe fordern taktisches Vorgehen und schnelle Reflexe

Dennoch machen gerade diese Kämpfe am meisten Spaß und fordern im genau richtigen Maße, um nicht allzu frustrierend zu werden. Und Frust kann sonst gerade aufgrund der nicht besonders großzügig verteilten Checkpoints leider eher schnell aufkommen.

Dafür überzeugen der Soundtrack und das generelle Design der Welten, Dungeons und auch der Weltkarte. Apropos Weltkarte: Da es Racks Aufgabe ist die friedlichen Gebiete Gaias zu korrumpieren, kann man das am Ende eines Abschnitts durch das Opfern gesammelte Seelen tun. Der Status des Gebiets wird dann eben auch auf der Karte angezeigt und die Gebiete verfärben sich nach und nach. Aber auch sonst haben die Entwickler ein gutes Auge fürs Detail bewiesen. Das merkt man dann auch in den zahlreichen, teilweise wirklich witzigen Dialogen. Rack N Ruin nimmt sich eben nie wirklich (zu) ernst.

Grafisch hält der Titel natürlich nicht mit aktuellen AAA-Großproduktionen mit, aber das tut dem Charme keinen Abbruch. Zudem gefällt der eigentliche, eher cartooneske Grafikstil nebst Artstyle außerordentlich gut. Und auch das Monsterdesign kann sich sehen lassen. Für Abwechslung ist auf jeden Fall gesorgt!

Rack ist vieles, aber nicht auf den Mund gefallen

Fazit

Rack N Ruin funktioniert auf dem Papier leider besser als in Aktion. Das durchaus gefällige, humorvolle Action-Adventure überzeugt durch Abwechslung und die Umkehr der traditionellen “Held rettet die Welt”-Narrative. Allerdings sind die Kämpfe gegen Standard-Gegner oft zu hektisch und die Steuerung nicht intuitiv genug. Außerdem bewegt sich Antiheld Rack so behäbig, dass man meint, er sei sich der Gefahr zu keinem Zeitpunkt bewusst. Das passt zwar einerseits zur Handlung des Spiels, nicht aber zum Gameplay. Nichtsdestotrotz kann man mit dem isometrisch dargestellten Titel seinen Spaß haben, dafür sorgen eben auch das gelungene Design, die tollen Rätsel und der Soundtrack.

  • 6.5/10
    Gameplay - 6.5/10
  • 7.5/10
    Sound - 7.5/10
  • 6.5/10
    Grafik - 6.5/10
  • 7/10
    Steuerung - 7/10
7/10

Zusammenfassung

Rack N Ruin ist ein gelungener Indie-Titel, dessen hoher Schwierigkeitsgrad in Kombination mit einer trägen Steuerung und unfair verteilten Checkpoints leider auch für Frust sorgt. Aber Artdesign, Bosskämpfe und der Soundtrack wissen zu gefallen.