25. September 2020

Darkestville Castle – Das GameWire-Review

Wer mit Point & Click-Adventures wie Monkey Island aufgewachsen ist, der sollte einen Blick auf Darkestville Castle werfen. Denn der Titel versucht mit handgezeichneten Hintergründen, einer abgefahrenen und sehr witzigen Geschichte sowie einem außergewöhnlichen Protagonisten genau die Fans jener Old-School-Adventures zu begeistern. Wenn jetzt auch noch die Puzzles passen sollten, kann doch nichts schief gehen. Oder?

Der ewig strahlende Held

Schön ist, dass man in Darkestville Castle nicht etwa in die Rolle des strahlenden Helden schlüpft, sondern in die des Dämonen Cid, dessen Hauptaufgabe es ist, seine Feinde zu quälen und zu terrorisieren. Strahlend ist indes an ihm gewiss nur sein breites, ewiges Grinsen und die eigenartigen golden leuchtenden Augen. Sein Leben und somit das der SpielerInnen könnte nahezu perfekt sein, wenn sein alter Feind und Möchtegern-Strahlemann Dan Teapot nicht einen Haufen Profi-Dämonenjäger engagiert hätte, um es zur buchstäblichen Hölle zu machen.

Aus dieser Situation heraus beginnt das knapp zehnstündige Abenteuer, in dem uns allerlei Skurrilles und vorallem Humorvolles erwartet. Die Figuren könnten zwar allesamt etwas ausgearbeiteter sein, sind aber auf ihre eigene Art und Weise stets charmant und stimmig. Dazu trägt auch gewiss das Design bei, das an manchen Stellen durchaus Erinnerungen an Tim Burtons The Nightmare before Christmas und somit Jack Skellington weckt. Zugegebenermaßen handelt es sich hier um eine wesentlich buntere und sarkastischere Version, aber die Inspirationsquelle ist durchaus noch sichtbar.

Die nostalgische Brücke in die Vergangenheit

Der handgezeichnete Grafikstil und die gelungene musikalische Untermalung leisten natürlichen einen wichtigen Beitrag dazu, uns Darkestville Castle als das zu verkaufen, was es sein möchte, nämlich ein waschechtes Point & Click-Adventure alter Schule. Doch wo die Optik unter Umständen noch trügerisch sein könnte, muss eben auch das Gameplay-Gerüst zum Genre passen.

Und auch hier gibt man sich keine Blöße. Die Steuerung via Controller funktioniert sehr gut und so markiert man Dinge oder NPCs und öffnet via Knopfdruck ein weiteres Menü, aus dem heraus man wählen kann, ob mit entweder Reden, Interagieren oder es / ihn / sie betrachten möchte. Das alles ist selbstverständlich nichts Neues, sondern Genre-Standard. Dieser ist aber sehr gut für die Konsolenfassung angepasst worden.

Unabhängig der Platfform auf der man den Titel erlebt, ist natürlich die Qualität der Rätsel. Hier erkennt man den Unterschied zu den LucasArts-Klassikern schon eher. Nicht dass die Puzzle in Darkestville Castle etwa schlecht wären, das nicht, aber sie sind ein gutes Stück leichter. Generell warten gerade zum Ende hin auch ein paar Kopfnüsse, bei denen man etwas um die Ecke denken muss. Aber allzu komplex werden sie nie. Ob das nun ein positiver oder negativer Kritikpunkt ist, muss wohl jeder für sich entscheiden. Nichtsdestotrotz werden die Puzzles gut präsentiert und es macht Spaß, sie zu lösen.

Höhen und Tiefen

Leider wiederholen sich die grundsätzlich sehr gut gestalteten Level etwas häufig. Die Entwickler setzen hier vermehrt auf Backtracking, was schade ist. Hier wäre mehr auf jeden Fall besser gewesen, aber es ist durchaus nachvollziehbar, dass ein kleines Indie-Studio wie Epic Llama womöglich einfach nciht das Budget für ein noch ambitioniertes Projekt hatte. Dass unterm Strich das Geschmäckle bleibt, man hätte gerne noch mehr von dieser Welt gesehen, zeigt aber nur, wie gut das vorhandene Design tatsächlich ist. Nur etwas mehr Abswechslung hätte eben nicht geschadet.

Leider schwankt auch die Qualität der Synchronsprecher enorm. Während Protagonist Cid fantastisch und jederzeit passend vertont wurde, leiden vor allem die Nebenfiguren unter jenen Schwankungen. Totalausfälle sind zwar nur wenige dabei, aber den Unterschied bemerkt man beim Spielen eben schon. Leider gibt es aber ohnehin keine deutsche, sondern lediglich englische Sprachausgabe, lediglich die Texte wurden eingedeutscht.

Fazit

Darkestville Castle ist ein wahnsinnig humorvolles und spaßiges Point & Click-Adventure alter Schule. Das Design passt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge und die Figuren sind wunderbar schrullig und liebenswürdig. Allen voran natürlich Dämon Cid, der nie um einen sarkastischen Spruch verlegen zu sein scheint. Etwas mehr Abwechslung im Leveldesign, eine bessere Synchro und komplexere Rätsel hätten dem Titel womöglich die aktuelle Genre-Krone aufsetzen können, so aber bleibt ein durchaus gutes Adventure für Zwischendurch, mit dem vorallem Old School-Fans ihren Spaß haben werden. Aber auch Neueinsteiger werden sich zurechtfinden.

  • 8.5/10
    Gameplay - 8.5/10
  • 8/10
    Sound - 8/10
  • 8/10
    Grafik - 8/10
  • 8/10
    Steuerung - 8/10
8.1/10

Zusammenfassung

Darkestville Castle ist ein tolles Point & Click-Adventure alter Schule und ein richtig witziges Spiel. Fans des Genres könnten bemängeln, dass die Rätsel mitunter nicht allzu schwierig sind, während Neueinsteiger sich genau darüber freuen werden.