27. September 2020

No Straight Roads – Das GameWire-Review

Rock’n’Roll ist tot, lang lebe EDM! Das zumindest ist eine der Grundprämissen des außergewöhnlichen Action-Adventures No Straight Roads, das ab sofort für PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch und PC (via Epic Game Store) erhältlich ist. Neben einem guten Rhythmusgefühl verlangt der Titel zudem, dass sich SpielerInnen auf die durchaus schräge Geschichte und die zwei liebenswerten Hauptfiguren einlassen kann. Ob am Ende ein rundes Produkt auf uns wartet, soll das folgende Review klären.

Yeah, come on!

In No Straight Roads schlüpft man in die Rollen des Rock-Duos Mayday (kurz May) und des Schlagzeugers Zuke, die den Rock’n’Roll zurück in ihre Welt bringen wollen. Das erweist sich allerdings als schwieriger als erwartet, liegt der Fokus doch derzeit auf elektronischer Musik, EDM. Die Firma NSR (Kurzform für No Straight Roads) kontrolliert den Fluß der Musik, die wiederum die Stadt, in der das Abenteuer spielt, mit Strom versorgt. Ja, richtig, Musik ist die alles antreibende Energie in diesem Spiel.

Um den Rock als Energieform zurückzubringen, nimmt das in der Kanalisation lebende Duo an einem Wettbewerb teil, in dessen Rahmen ermittelt werden soll, wie viel Energie sie mit ihren treibenden Riffs erzeugen können. Doch obwohl man im Rahmen dieses ersten spektakulären Auftritts vor der Jury – in dessen Rahmen man mit den Grundzügen der Steuerung vertraut gemacht wird – herausragende Ergebnisse erzielt, wird die Bunk Bed Junction genannte Band disqualifiziert. Rock ist tot – und soll das auch bleiben.

Das lassen die beiden Vollblutmusiker aber nicht auf sich sitzen und rufen zur Radio Rock Revolution auf, um die NSR zu stürzen und Vinyl City wieder mit ausreichend Energie zu versorgen. Eine wundervoll quirliger, beinahe Punk Rock-esker Auftakt für ein ebenso witziges wie geradliniges Spiel.

Yeah!

Dabei teilt sich das Spiel in mehrere unterschiedliche Bereiche auf – auch Gameplay-technisch. Auf der einen Seite besteht No Straight Roads aus zahlreichen unterschiedlich aufgebauten Boss-Kämpfen gegen die zahlreichen Mitglieder des NSR, die ihre Zeit damit verbringen, die wenige Energie der Stadt in ihre EDM-Konzerte zu stecken. Diese Kämpfe sind das eigentliche Herzstück des Action-Adventures – zumindest aus spielerischer Perspektive – da sie alle unterschiedlichen Mustern folgen und die Präsentation zu jedem Zeitpunkt über alle Zweifel erhaben ist. Bliebe es nur bei diesen Echtzeit-Kämpfen gegen die rhythmisch begabten Bosse und den ein oder anderen Standard-Feind, No Straight Roads wäre über alle Zweifel erhaben.

Boss No Straight Roads Review

Zwischen den Bossen warten aber größere, wenngleich sehr lineare Areale, die es zu erkunden gilt, sowie einige Plattforming-Einlagen, die man auf dem weg meistern muss. Problematisch sind beide auf ihre Art und Weise. Denn so schön und abwechslungsreich die verschiedenen Level auch designt sein mögen, so leer sind sie am Ende auch. Es gibt nur wenig zu entdecken und das Wenige lohnt sich leider auch nur selten, entdeckt zu werden. Die NPCs sorgen zwar dafür, dass die Spielwelt greifbarer und glaubwürdiger wird, spielerisch bietet das alles aber kaum einen Mehrwert.

When the music’s over

Die Probleme mit den kleineren Jump’n’Run-Einlagen ergeben sich aus der Steuerung des Titels. So fühlt sich diese leider nicht allzu präzise an und Sprünge wirken eher schwebend, denn direkt. Was in den Kämpfen hervorragend funktioniert, sorgt bei diesen Passagen für Punktabzüge.

Ansonsten steuern sich die beiden Charaktere Mayday und Zuke nämlich gerade in Kämpfen angenehm ähnlich und doch unterschiedlich genug, um den ständigen Wechsel zwischen den beiden zu fördern. Spielt man nämlich alleine, kann man auf Knopfdruck zwischen den steuerbaren Figuren wechseln und von den jeweiligen Stärken und Schwächen profitieren. Spielt man No Straight Roads übrigens mit einer anderen Person, kann man zwar nicht mehr wechseln, das komplette Spiel aber eben zu zweit zocken. Während Zuke als Schlagzeuger in der Lage ist, beeindruckendere Kombos auf die GegnerInnen prasseln zu lassen, kann May schwere Attacken mit größerer Reichweite entfesseln. Aufwerten kann man das mit Stickern, die man freischaltet, oder dank der Kraft der Fans. Durch verschiedene Aktionen im Spiel schaltet man eine immer größer werdende, virtuelle Gefolgschaft frei, dank der man neue Fähigkeiten erwerben kann. Für Abwechslung ist also gesorgt.

Turn out the lights

Zwischen den Missionen kann man in seinem Versteck in der Kanalisation Vinyl Citys besagte Aufwertungen vornehmen, Sticker platzieren oder die Waffen verändern. Das alles hat immerhin marginale bis auffällige Auswirkungen auf die Spielbarkeit der Kämpfe.

Zusätzlich kann man das Versteck mit verschiedenen Accessoires verschönern, den nächsten Auftrag planen oder ein Arcade-Minispiel starten, das unter extrem langen Ladezeiten leidet. Abgesehen davon gibt es hier nicht viel zu tun, es ist aber ein schöner Ruhepol zur sonst doch EDM-basierten Controllergymnastik.

Spielwelt No Straight Roads Review

No Straight Roads sieht auf seine Art und Weise fantastisch aus. Die Mischung aus dystopischer Zukunftsvision gepaart mit einem Look, den man so auch im neuesten Gorillaz-Video sehen könnte, weiß zu gefallen. Die Effekte können sich sehen und natürlich auch hören lassen und das generelle Artdesign wirkt in sich sehr stimmig. Das trägt zur Atmosphäre des Spiels bei.

Leider hält No Straight Roads technisch hier nicht ganz mit. Der Titel ist geplagt von Kamera-Problemen, Framerate-Einbrüchen und diversen kleineren Bugs. Trotz des pünktlich zum Launch veröffentlichen Patches, schöpft man hier noch nicht das volle Potential aus. Das ist schade. Denn gerade auf der Playstation 4 Pro sieht der Titel richtig gut aus.

Fazit

No Straight Roads ist ein mehr als nur unterhaltsamer Indie-Titel. Man merkt dem Titel an, dass die Entwickler viel Liebe in ihn investiert haben. Dass er trotz der eher oberflächlichen Story bis zum Ende hin fesseln kann, liegt dann eben auch genau daran. Die Charaktere und der Weltaufbau sind sehr gut gelungen. Und auch die Kämpfe machen richtig viel Spaß. Aber das Spiel hätte gut und gerne etwas kürzer sein und der Spielwelt hätte man mehr Leben einhauchen können. Unterm Strich wartet aber ein tolles Action-Adventure mit technischen Schwächen, aber einem fantastischen Soundtrack. Fans eines Jet Set Radio und Musikfreunde sollten einen Blick riskieren.

Mayday No Straight Road Review
  • 7.5/10
    Gameplay - 7.5/10
  • 8.5/10
    Sound - 8.5/10
  • 7.5/10
    Grafik - 7.5/10
  • 7/10
    Steuerung - 7/10
7.6/10

Summary

Schöner Indie-Titel mit fantastischem Soundtrack und vielen tollen Ideen, die leider nicht alle zünden wollen. Technische Probleme sorgen zudem für eine Abwertung. Nichtsdestotrotz wird man mit No Straight Roads seinen Spaß haben können.