2. Dezember 2020

Remothered: Broken Porcelain – Das GameWire-Review

Das Horror-Adventure Remothered: Tormented Fathers ist ein kleines Indie-Juwel, das 2017 veröffentlicht wurde und die Geschichte von Rosemary Reed erzählt, die im Rahmen einer wahnwitzig konstruierten Geschichte um Drogen, Mord und Motten ums Überleben kämpte. Das Spiel selbst konnte dabei stimmungsvollen Survival Horror inszenieren, der an italienische Filme erinnert und sich dank der ein oder anderen brillanten Idee im Gedächtnis geblieben ist. Nun haben wir den zweiten Teil vorliegen, den es auf Herz und Nieren zu testen galt. Ob auch Remothered: Broken Porcelain überzeugen kann, soll der folgende Test klären.

Ein Blick vor, ein Blick zurück

Dabei wagen Entwickler Darril Arts und Stormind Games direkt etwas Neues. Statt eine direkte Fortsetzung zu erzählen, entpuppt sich Remothered: Broken Porcelain gleichermaßen als Prequel und Sequel zum ersten Teil. Und wer diesen nicht gespielt hat, wird sich gewiss über die optionale Zusammenfassung freuen, die man zu Beginn des Abenteuers starten kann.

Im Anschluss übernimmt man die Kontrolle über die junge Jennifer, die als Dienstmädchen in dem Hotel Ashmann Inn arbeitet. Nach und nach lernt man sie kennen, erfährt Hintergrunddetails durch Rückblenden und freut sich auch über ein Wiedersehen mit Rosemary, wobei man diese nicht von Anfang an spielen kann. Stattdessen steuert man Jennifer durch das verwinkelte Anwesen und versucht so dem Geheimnis des Inns auf die Spur zu kommen. Der Einstieg ist durchaus stimmungsvoll und weckt das Interesse. Leider scheint sich Game Director Chris Darril etwas übernommen zu haben, denn bereits nach den ersten zehn Minuten offenbaren sich Mängel in der Erzählstruktur.

Nicht nur, dass Jennifer plötzlich von der eben noch gut gelaunten Haushälterin Andrea angegriffen wird, das Gesicht zu einer Fratze verzogen, umschwirrt von einem Schwarm Motten, nein, auf diese Begegnung folgende Videosequenzen verzetteln sich in Zeitsprüngen, deren Dramaturgie nicht richtig zünden wollen. Doch der Reihe nach.

Remothered: Broken Porcelain Verfolgung

Ein tödliches Katz- und Mausspiel

Während die Geschichte rund um die aus Motten gewonnene Droge Phenoxyl im Rahmen des Genres durchaus noch Sinn ergibt und sich mit ihren Auswüchsen und Wendungen auch nicht vor der Rahmenhandlung eines Resident Evil verstecken muss. Dazu passt dann auch die überraschende Verwandlung der Haushälterin zu Beginn des Spiels. In irrer Wut trachtet sie Jennifer nach dem Leben und verfolgt sie bei Schritt und Tritt. Zum Glück können wir der Protagonistin helfen, in dem wir sie zu Schränken und Truhen führen, in denen sie sich verstecken kann, um der Häscherin zu entkommen.

Das sorgt genre-typisch auf jeden Fall für einen erhöhten Puls, da diese und später folgende Konfrontationen durchaus am Nervenkostüm nagen. Das liegt aber freilich nicht nur nur an der Inszenierung dieser tödlichen Katz- und Mausspiele. Stattdessen frustrieren eine schwammige Steuerung und ein unintuitives Inventar bei den unvermeidbaren Feindbegegnungen. Zudem ist die KI der Gegner ein zweispaltiges Schwert. Auf der einen Seite reicht es schon einmal um zwei Ecken zu rennen, um zumindest kurzzeitig aufatmen und sich ein Versteck suchen zu können. Und auf der anderen Seite verfügen die Feinde über einen so ausgeprägten Spürsinn, dass sie einen trotz im Weg stehender Hindernisse und teilweise sogar durch Wände hindurch sehen können. Dadurch und durch den begrenzten Inventarplatz werden diese Begegnungen schnell zu halb geskripteten, halb unglaublich nervigen Trial & Error-Passagen.

Ablenkungsgegenstände lassen sich nur umständlich platzieren oder nutzen und auch die Ausweichfunktion scheint nur ab und an zu funktionieren. Die durchaus spannende Grundprämisse leidet schon beim ersten Kontakt mit der erwähnten Haushälterin so enorm, dass man beinahe hofft, das wäre es dann auch gewesen. Ohne zu spoilern kann ich an dieser Stelle nur sagen, dass dem leider nicht so ist.

Remothered: Broken Porcelain Anwesen

Zu viel des Guten (und Schlechten)

Unspielbar ist der Titel dennoch nicht, aber die Gameplay-Mechaniken, die sich eigentlich ergänzen sollen, wirken wie Zahnräder, die einfach nicht zueinander passen wollen. Schade. Zumal es auch an anderen Ecken zu Problemen kommt.

Die Rätseleinlagen des Vorgängers sind weitestgehend verschwunden und machen banalen Aufgaben Platz, die kaum noch fordern. Während der Erkundung kann man zwar alle möglichen Schränke und Schubladen öffnen, allerdings muss man auch oft im genau richtigen Winkel stehen, um die kontextsensitive Aktion ausführen zu können. Das wird noch durch die bockige Kamera erschwert, die in den ungünstigsten Winkeln zum Stillstand kommen kann.

Außerdem wollten die Drehbuchautoren einfach zu viel. So interessant die Geschichte dann im Kern auch sein mag, sie wird durch viel zu häufige Zeitsprünge unnötig verzerrt. Zudem handeln viele Charaktere nicht nachvollziehbar und in manchen Szenen sogar konträr der eigentlichen Figurenzeichnung. Unterm Strich ist die komplette Präsentation zu wirr und unschlüssig, um am Ende Spaß zu machen.

Grafik & Sound

Und auch sonst präsentiert sich Remothered: Broken Porcelain eher von der durchschnittlichen Seite. Die Grafik ist mittelmäßig, auch wenn die Texturen generell etwas mehr Schärfe hätten vertragen können. Die Animationen, vor allem aber die Mimik der Spielfiguren ist auf bestenfalls PS3-Niveau. Die Zwischensequenzen werden dadurch nochmals unglaubwürdiger. Wobei dies durchaus auch an der hölzernen Sprachausgabe liegen könnte. Eine deutsche Synchro gibt es erst gar nicht, aber bei dem, was die englische so hergibt, können wir da eventuell von Glück reden. Mehr als einmal kam es vor, dass die Synchro die situative Spannung zerstört hat.

Dafür ist der Soundtrack gelungen und untermalt die jeweilige Atmosphäre sehr gut. Auch wenn manche Loops zu kurz sind, vermitteln sie sehr gut ein Gefühl von Anspannung und Panik. Aber auch die ruhigen Töne sind gut gelungen. Hier gibt es wenig auszusetzen.

Fazit zu Remothered: Broken Porcelain

Remothered: Broken Porcelain hat mich enttäuscht zurückgelassen. Wo Tomented Fathers einen besonderen Platz in der Kammer meines Survival-Horror-Herzens einnimmt, lässt mich der Nachfolger frustriert zurück. Zu viele Bugs und Glitches stören den Spielspaß, zu viele der Gameplay-Mechaniken wollen nicht richtig funktionieren. Und das ist sehr schade, weil der Titel im Kern eine wirklich interessante Geschichte erzählt und als Prequel und Sequel gleichermaßen funktionieren könnte. Könnte. Wenn das Drehbuch sich mehr Zeit nehmen und den Charakteren so wie dem selbst gesetzten Ziel gerecht werden würde.

Aber das wird es nicht. Und trotz zahlreicher Patches, die seit Release veröffentlicht wurden, sehe ich dahingehend auch kaum Besserung. Schade. Bleibt aber zu hoffen, dass man mit einem potentiellen dritten Teil wieder zu alter oder neuer Höchstform auflaufen können wird.

  • 6/10
    Gameplay - 6/10
  • 5/10
    Sound - 5/10
  • 6.5/10
    Grafik - 6.5/10
  • 5/10
    Steuerung - 5/10
5.5/10

Zusammenfassung

Remothered: Broken Porcelain hat zu viele Probleme, um es empfehlen zu können. Aber im Kern versteckt sich eine durchaus spannende Geschichte. Schade nur, dass die vielen Bugs und unausgereifte Spielmechaniken den Spaß im Keim ersticken.

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