27. September 2020

Bau-Simulator 3: Console Edition – Das GameWire-Review

Nach wie vor erfreuen sich Simulatoren vor allem in Deutschland höchster Beliebtheit. Die unterschiedlichsten Berufsfelder wurden abgedeckt, die absurdesten spielbaren Experimente wurden veröffentlich. Und ganz egal, wie viele es auch sind, der Ruf nach mehr ebbt nicht ab. In der nunmehr dritten Iteration beweist auch der Star unseren heutigen Reviews, dass an dem – zumeist – entschleunigtem Genre etwas dran sein muss. Willkommen beim Review des Bau-Simulator 3. Und keiner geringeren als der Console Edition.

Die Geschichte, die zwischen den Aufträgen und dem Simulator-Alltag erzählt, handelt vom frei definierbaren Hauptcharakter und seinem Kollegen Hape, dem erfahrenen Mann vom Bau. Als ehemaliger Computerspiele-Entwickler, der sich dank einer ordentlichen Abfindung eine Baufirma kaufen konnte, fehlt es einem am handwerklichen und wirtschaftlichen Geschick, wodurch euer Freund Hape zu einem unersetzlichen Partner auf dieser Reise wird.

 Auch wenn sie fachlich in unterschiedlichen Welten leben, teilen die beiden einen „typisch deutschen“ Humor und Jargon, der sich in den zumeist recht einfach gehaltenen Dialogen wiederspiegelt. Der Weg von der fixen Idee einer eigenen Baufirma bis hin zu einem regional übergreifend agierenden Großunternehmen ist sicherlich weit und lang und zeitintensiv. Aber Hape und du habt alles im Griff.

Hat man eine eigene Figur erstellt und das sehr ausgiebige Tutorial absolviert, kann es auch direkt losgehen. Aufträge werden über ein übersichtliches Menü ausgewählt und dann mit den benötigten Fahrzeugen ausgeführt. Diese kann man jederzeit – sofern vorhanden – wechseln und so auch an einer Baustelle mit mehr als nur einem Fahrzeug arbeiten. Mit der Baggerschaufel eine Fläche ebnen und dann überschüssige Erde abtransportieren? Kein Problem, wenn man einen Kipplader dabeihat, mit dem die Erde zum Hof für Baustoffe gebracht und verkauft werden kann. Wenn nötig, können hier auch direkt Wertstoffe, wie etwas Kies oder Beton mitgenommen werden, um dann Flächen zu begradigen oder zu festigen.

Die möglichen Aufträge nehmen mit der Zeit nicht nur in der Menge zu, sondern steigen auch in der Komplexität stetig an. Mit den laufenden Spielstunden kann man immer weitere Fahrzeuge kaufen oder auch mieten und so immer unterschiedlichere Arbeitsschritte ausführen. Zum Kipplader und Bagger gesellen sich so schnell Walzen, Baukräne, Betonmischer- und Pumpen, Kaltfräsen oder auch Straßenfertiger. Alle übrigens lizenzierte Baumaschinen, von bekannten Herstellern wie Liebherr, Palfinger, MAN, Bobcat oder auch Caterpillar.

Um die nötigen Baumaschinen kaufen oder mieten zu können, benötigt man natürlich Geld, welches primär durch das erfolgreiche Abschließen von Aufträgen verdient werden kann, aber auch durch den Verkauf von Wertstoffen, wie beispielsweise der bereits erwähnten Erde. Recht schnell wird man jedoch feststellen, dass die finanziellen Mittel sich relativ schnell erwirtschaften lassen, da vor allem zu Beginn die meisten Aufträge eine ordentliche Vergütung mit sich bringen und zudem schnell zu bewältigen sind. Darüber hinaus können durch das Sammeln von Erfahrungspunkten auch Fähigkeiten verbessert werden, die dann gegebenenfalls die Effizienz im Umgang mit der Firma verbessern können.

Wer noch mehr Eindrücke gewinnen will, kann dies in unserem Gameplay-Video tun!

Nicht zwingend ungewöhnlich für das Genre, aber dennoch auffällig ist das sehr umfangreiche und einsteigerfreundliche Tutorial und das Controller-Layout. Wie der Beiname bereits suggeriert, handelt es sich hierbei um einen Titel, der ursprünglich auf dem PC debütierte. Somit ist die Komplexität der Steuerung, die man gut und gerne auf einer Tastatur-Maus-Kombi unterbringen kann, dann erstmal sinnvoll auf einen Controller zu transferieren.

Gute Neuigkeiten für dieses nicht immer so leichte Unterfangen: Zwar sind die Tastenkürzel und verschachtelte Kommandos durchaus etwas gewöhnungsbedürftig, jedoch wurden die wichtigen Funktionen, wie beispielsweise die Steuerung von Kränen und Baggerschaufeln, dann auf die relevantesten Tasten gelegt, sodass hier volle Kontrolle gewährleistet wird. Die Bedienung eines Krans oder einer Baggerschaufel wird beispielsweise mit beiden Sticks bewerkstelligt, die sich dann das Schwenken, Senken, Heben und Ein-Ausfahren teilen. Das funktioniert, je nach Kamera-Winkel und räumlichen Verständnis, dann auch recht gut.

Und um einer Simulation gerecht zu werden, gilt es natürlich auch, so nah an der Realität zu bleiben, wie möglich. Zwar gibt es kein Schadensmodell oder natürlichen Verschleiß von Maschinen, jedoch gibt es – optionale – Verkehrsregeln, die es zu beachten gilt. Optional, weil sie jederzeit im Menü auch deaktiviert werden können. Kein Blitzer, kein Bußgeld beim zu schnellen Fahren, keine Strafe für verursachte Unfälle; ohne die aktivierten Verkehrsvergehen lässt es sich ohne Konsequenzen wie in GTA V durch die Gegend kurven. Aber auch mit aktivierten Bußgeldern fühlen sich die Sanktionen zu seicht und unbedeutend an. Zu niedrig sind die Geldstrafen, die man zu erwarten hat, und weitere Strafen, wie beispielsweise Fahrverbot oder den Entzug einer gewissen Fahrzeugklasse, gibt es nicht. Stattdessen wird man im Spiel noch belohnt, wenn man mehrere Knöllchen sammelt oder Straßenschilder umballert. Immerhin gibt es Achievements, die eben diese Aktivitäten belohnen.

Für eine kleine Gebühr lassen sich die Fahrten von A nach B aber ohnehin überspringen, was sich vor allem im späteren Verlauf, wenn man mit gleich mehreren Maschinen an einer Baustelle vorfahren muss, auch mehr als anbietet. Diese und viele weitere Komfortfunktionen machen den Alltag auf dem Bau durchaus noch erträglicher, als er ohnehin schon ist. Hat man mit einem Baufahrzeug einen alternativen Modus aktiviert, um etwa mit dem hydraulischen Arm eine Fracht aufzuladen, kann man diesen im Kontextmenü direkt wieder zurücksetzen und muss den Greifarm (o.ä.) nicht extra wieder einfahren und abschalten.

Dank der unterschiedlichen Kamera-Modi, die die Spielkamera entweder einen Orbit um das Fahrzeug herum beschreiben lassen, das Geschehen in die Fahrzeugkabine verlegen oder halt hinter dem Fahrzeug positionieren, wäre es jedoch auch kein Problem, die manuelle Steuerung an dieser Stelle beizubehalten. Dank des Constructions-Modus lassen sich zudem auch per Schultertasten alle relevanten Objekte, wie Baumaschinen, Gebäude oder auch versteckte Medaillen durchschalten. Kurzum: Auch wenn die Steuerung und das Geschehen teilweise arg überfrachtet wirken, hat man alles zu jeder Zeit voll unter Kontrolle und im Blick.

Das trifft jedoch leider nicht auf die Umgebungen zu. So muss man nicht selten Erdhaufen abtragen oder begradigen, jedoch sind diese dank der matschigen Bodentexturen und schwachen Beleuchtung nicht selten sehr schwer zu erkennen. Wie in unserem ungeschnittenen Video deutlich zu sehen, sind die Anhäufungen oft nur durch Mutmaßen zu erkennen oder müssen durch „systematisches Umherfahren“ erkannt und dann aufgesammelt werden.

Und das ist auch die „Schwäche“ des Titels, wenn man es denn so nennen möchte. Audiovisuell macht der Titel absolut nichts her. Matschige Texturen, viele, der fehlenden Optimierung geschuldete, Ladezeiten, eine eingeschränkte Sichtweite und damit einhergehendes „Hereinploppen“ von Objekten und gelegentliche Ruckler lassen den Bau-Simulator 3 technisch keine gute Figur machen. Die einfach gehaltenen Charakterzeichnungen wirken wie aus einer anderen, bereits vergangenen Zeit und lassen daher nur schwer den Hauch von Immersion aufkommen. Nicht zwingend nötig in einer Simulation, das stimmt. Jedoch ist hier aufgrund der Handlung, die erzählt wird, ein gewisser Anspruch zu erkennen, der nicht gehalten werden kann.

Nichtsdestotrotz ist der Bau-Simulator 3 in der Console-Edition durchaus sein Geld wert, bietet der Titel doch einen enorm umfangreichen Fuhrpark mit detailgetreuen Nachbauten der jeweiligen Maschinen und – gerade für Handwerks-Enthusiasten – eine beachtliche Tiefe und Geduld bei der Präsentation der Arbeitsschritte. Die GameWire-Redaktion hatte durchaus ihren Spaß am Titel, auch wenn er gerade in technischer Hinsicht weit hinter dem Standard einschlägiger Genre-Referenzen bleibt. Wir schielen zu dir, Landwirtschafts-Simulator!

Bau-Simulator 3: Console Edition - Das GameWire-Review
  • 8.6/10
    Gameplay - 8.6/10
  • 7.5/10
    Sound - 7.5/10
  • 5/10
    Grafik - 5/10
  • 9.4/10
    Steuerung - 9.4/10
7.6/10