26. Oktober 2020

Mafia II: Definitive Edition – Das GameWire-Review

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Es gibt Spiele, zu denen die Gedanken nach dem Beenden der Handlung und dem umfangreichen Austesten der Spielmechaniken erst einmal reifen müssen. Der Plot muss zum Beispiel erst einmal verarbeitet werden, oder Überlegungen ob diese eine Gameplay-Mechanik wirklich so innovativ und clever ist, wie man beim Spielen dachte, müssen zu Ende gedacht werden. So oder so, es gibt zahlreiche gute Gründe, aus denen sich ein Review zu einem Spiel etwas verzögern kann. Im Fall der Mafia II: Definitive Edition ist der Grund aber nicht etwa in einem der genannten Punkte zu finden, sondern er basiert auf Hoffnung. Und zwar jene Hoffnung, dass 2K oder Entwickler d3t Ltd. weitere Patches veröffentlichen, die den Zusatz der definitiven Edition rechtfertigen. Das ist bis zum aktuellen Zeitpunkt allerdings nicht passiert, weswegen wir im folgenden Test klären wollen, ob und inwiefern sich der Kauf des Remaster von Mafia II lohnt.

Eines vorweg: Ja, Mafia II hat nunmehr gute zehn Jahre auf dem sprichwörtlichen Buckel. Ja, manche der Spielmechaniken wurden mittlerweile von anderen Genrevertretern verbessert und können getrost als überholt bezeichnet werden. Aber das macht das Grundspiel als solches ja nicht per se schlechter – vor allem nicht, wenn man es als das betrachtet was es eben ist. Ein älteres Spiel.

Und dafür bietet es einiges, was ich mir heute sogar noch von anderen Spielen dieser Art wünsche. Denn die Story rund um Vito Scaletta, der als Kriegsheimkehrer auf die schiefe, aber für ihn einzig sinnvoll erscheinende Bahn gerät, ganz klar im Vordergrund. Die verschiedenen Charaktere könnten so auch allesamt einem gut geschriebenen Mafia-Film entstammen, egal ob Goodfellas oder der Pate, und werden trotz des Alters des Materials in zahlreichen Zwischensequenzen glaubwürdig gespielt und vertont. Zudem verkommt die offene Spielwelt Empire Bay nicht zum künstlich aufgeblasenen Spielplatz, wie das gerade bei einem Grand Theft Auto häufig der Fall ist.

Stattdessen ist sie Teil der Inszenierung der Geschichte. Es gibt während der gesamten, fünfzehn Kapitel umspannenden, Handlung kaum unnötige Fahrwege oder aufgesetzt wirkende Nebenmissionen, welche die Spielzeit strecken sollen. Wahrend der Fahrtwege wird entweder Konversation betrieben, um die Charakterentwicklung voranzutreiben, oder sie dienen eben alleine der Überbrückung notwendiger Distanzen. Das mag je nach Betrachtungsweise überholt wirken, sorgt aber unterm Strich auch dafür, dass man sich hauptsächlich die Handlung fokusiert.

Wer diesbezüglich Ablenkungen sucht, sollte – damals wie heute – eher in Richtung Rockstar-Open World schielen. Natürlich kann man sich nebenher ein wenig Geld verdienen, beispielsweise in dem man Autos stiehlt und diese an dafür vorgesehenen Orten abstellt, aber das war es dann auch schon mit weiteren Aktivitäten, wenn man sammelbaren Nonsens wie “Gesucht”-Plakate mal außen vor lässt.

Ein weiterer Punkt für die generelle Glaubwürdigkeit des Spiels ist das Verhalten der Polizisten in und auf den Straßen der Stadt. Wer innerorts mit 120 Sachen heizt und dabei auch noch Fußgänger gefährdet, wird ebenso schnell verfolgt und muss mindestens mal mit einem saftigen Bußgeld rechnen. Zwar zeigt sich hier und dort die eher altbackene KI, aber es ist immer noch erstaunlich erfrischend nicht nur dann verfolgt zu werden, wenn man jemanden überfährt oder ein Polizeiauto zufällig oder vorsätzlich rammt.

Dank verbesserter Texturen und neuer Licht- und Nebeleffekte wirkt die Mafia II: Definitive Edition gerade im Vergleich zur ursprünglich veröffentlichten Konsolenfassung des Spiels sehr viel runder, hübscher und moderner – auch wenn das alte Gerüst jederzeit sichtbar ist.

So bleibt der offensichtliche Kritikpunkt tatsächlich die schwache KI des Spiels. Gerade in den häufigen Schusspassagen zeigt sich wie unfähig die Handlanger agieren. Selbst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad sollten einigermaßen geübte SpielerInnen keine Probleme haben, auf dem Normalen wirkt der Titel ab und an beinahe unausgereift einfach. Man selbst kann so oder so nicht allzu viel einstecken, weswegen man immer auf der Suche nach der passenden Deckung ist. Blöderweise wurde die Steuerung ebenfalls kaum angepasst, was alle Feindkontakte eher nervig denn tatsächlich spaßig werden lässt. Das Fadenkreuz reagiert träge, die Kontrolle ist zu schwammig und die Kameraführung mitunter hakelig. Aus den Deckungen heraus zu agieren wird so oft zum Geduldsspiel.

Dass man sich an alles gewöhnen kann, das beweist Mafia II aber auch auf seine eigene Art und Weise. Die genannten Probleme werden beim Spielen verinnerlicht und erweisen sich im Verlauf der gut sechzehn Stunden andauernden Kampagne als nicht ganz so störend. Die künstliche Intelligenz bleibt natürlich hinter den Erwartungen moderner SpielerInnen zurück, aber auch hier gibt es Schlimmeres.

Und zwar die Anpassungen für die PlayStation 4-Version, die wir hier auf einer PlayStation 4 Pro getestet haben. Unerklärliche Ruckler stören den Spielfluss – und das trotz einer angepeilten stabilen Framerate von gerade mal 30 fps! – und die Grafik schwankt zwischen knackig-scharf und verwaschen. Wo hier die Probleme liegen können, übersteigt meine technische Kompetenz, aber meine Vermutung ist eine mangelhafte Anpassung an aktuelle Hardware. Bugs und Fehler lassen sich reproduzieren und waren – wie eine kurze Internetrecherche beweist – so teilweise schon im originalen Release enthalten. Das ist nicht nur eine Frechheit, sondern geradezu schlampig. Da muss man sich doch verwundert zeigen, wie es dieses Spiel durch die Qualitätskontrolle geschafft hat.

Was es damals noch nicht gab, heute aber wohl ein Must-Have ist, ist die Verlinkung eines 2K-Accounts. Das dazu aufploppende Fenster kann man zwar bei jedem Start wegklicken, aber nicht dauerhaft verneinen. Und wer sich extra einen Account erstellt oder einen bestehenden verlinkt, sollte nicht davon ausgehen, dass die Ärgerlichkeit damit aus der Welt geschafft wäre. Bei gefühlt jedem dritten Spielstart bleibt das dazugehörige Hinweisfenster, dass man seinen Account verlinkt habe (oder eben nicht verlinkt habe) oben rechts im Bildschirm aktiv und verschwindet auch nicht mehr. Das reißt natürlich raus, zumal es eventuelle Zeitlimitanzeigen verdeckt, und sollte heutzutage generell und vor allem knapp zwei Wochen nach Release einfach nicht mehr passieren.

Fazit

Die Mafia II: Definitive Edition verdient nach aktuellem Stand ihren Zusatz nicht einmal ansatzweise. Die grafischen Updates sind willkommen und verbessern das Spielerlebnis auf einer rein visuellen Ebene natürlich. Aber neue und alte Bugs, fehlende Verbesserungen bei Steuerung und Gameplay sowie ständig wiederkehrendes Ruckeln vermiesen einem den Spaß an dem Remaster.

Grafische Glitches, eine mitunter fehlerhafte Kollisionsabfrage, verbuggte Trophäen und der selten dämlich implementierte 2K-Account sorgen zudem für Kopfschütteln. Wieso veröffentlicht man so etwas in diesem Zustand? Immerhin ist man sich der Probleme bewusst und fordert alle SpielerInnen dazu auf, Feedback zu senden, um in Zukunft weitere Updates gewährleisten zu können. Wäre dies eine neue IP oder ein neuer Titel, hätten all diese Probleme selbstverständlich ebenso einen Einfluss auf die finale Wertung, aber bei der Remaster-Version eines zehn Jahre alten Spiels werden sie sehr viel höher gewichtet.

Und das ist schade, denn auch die Mafia II: Definitive Edition bietet generell eine packende Handlung, gutes Schauspiel und ein toll und vor allem atmosphärisch dicht umgesetzte Spielwelt ohne das typische Open World-Brimborium. Wer das aber vollumfänglich auf seiner PlayStation 4 Pro genießen möchte, sollte weitere Patches abwarten.

  • 7.5/10
    Gameplay - 7.5/10
  • 7/10
    Sound - 7/10
  • 6.5/10
    Grafik - 6.5/10
  • 6.5/10
    Steuerung - 6.5/10
6.9/10

Zusammenfassung

Die Mafia II: Definitive Edition verdient leider ihren Namen nicht und gehört zu den technisch schlechtesten Remaster-Versionen, die ich jemals gespielt habe. Das ist doppelt schade, denn das eigentliche Spiel ist immer noch ein sehr lohnenswerter und spannender Ausflug in die Welt des organisierten Verbrechens.