27. September 2020

Predator: Hunting Grounds – Das GameWire-Review

„Ey Mann, du blutest!“ – „Ich habe keine Zeit zu bluten.“ 

Wer bei diesem Zitat sofort an das superbe Meisterwerk Ridley Scotts aus dem Jahre 1987 denkt, denkt richtig. Predator, mit Arnold „Arnie“ Schwarzenegger sollte nicht nur ein verdammter guter Action-Streifen werden, sondern den Grundstein für eines der wohl coolsten Sci-Fi-Monster überhaupt legen, den gleichnamigen Predator. 

Diese extraterrestrische Rasse von Jägern hat in den vergangen 33 Jahren so manches Mal auf der Leinwand für eine blutige Hatz gesorgt. Im Vordergrund stehen hier zumeist jedoch menschliche Protagonisten, die es mit der über-starken, über-intelligenten und vor allem technisch hoch versierten Alien-Rasse aufnehmen können. Natürlich macht die Reihe auch nicht vor der digitalen Welt halt. Nach einigen guten, semi-guten und schlechten Spielen, werfen nun die Mädels und Jungs von Illfonic Studios ihre Version des außergewöhnlichen Kräftemessens auf den Markt, für PS4 und PC. Predator: Hunting Grounds nennt sich der Spaß und baut auf den Stärken des ersten Films auf.  

Die Charaktere können durch Kleidung, Farben oder das äußere Erscheinungsbild individualisiert werden.

Der Titel ist diesmal eine reine Multiplayer-Erfahrung und lädt fünf Spieler gleichzeitig in Matches in das Dickicht des südamerikanischen Dschungels ein. Wie auch schon Dutch und seine Männer, müssen vier der fünf Spieler hier je eine Mission erfüllen. Das schöne daran ist, dass es in diesem Falle nicht einfach nur um „Tötet den Predator“ geht, sondern um echte Ziele, die in unterschiedlichen Szenarien daherkommen. 

In drei unterschiedlichen Maps müssen so versteckte Drogenlabore ausgehoben, geheime Daten beschafft oder feindliche VIPs eliminiert werden. Auch wenn die Missionen etwas variieren, muss man doch feststellen, dass es hier etwas wenig Stoff für Abwechslung gibt. Zu schnell hat man die drei Maps erkundet, zu schnell wiederholen sich die generischen Missionen. Auch wenn die meisten Filme der Reihe ebenfalls in Dschungel-Arealen spielen, würden wir uns hier ein wenig mehr Umfang wünschen. Vielleicht eine Großstadt-Map wie in Predator 2? Oder ein eisiges Gebirge wie in Alien vs. Predator? Oder der Tempel, ebenfalls aus dem ersten Crossover? Wir hoffen auf DLC-Content, Illfonic! 

Das Team besteht zu Beginn der Progression (und des Match-Makings) aus vier gleich aussehenden Avataren (männlich oder weiblich) und wird erst mit einem gewissen Zeit-Investment der Spieler individueller. Durch das Abschließen von Missionen erhält man Erfahrungspunkte und Währung, die für den Levelaufstieg und den Kauf von kosmetischen Objekten benötigt wird. Mit Geld kauft man so also beispielsweise Hüte, Brillen, Designs für Waffen oder auch Lootboxen, die dann drei zufällige Gegenstände enthalten. Mit dem Levelaufstieg werden dann neue Waffen, Waffen-Mods, Perks oder Ausrüstungsgegenstände freigeschaltet.  

Mit der Wärmesicht kann man den Dschungel nach Lebensformen absuchen. Hier haben wir jedoch weniger Glück.

Letzteres kommt immer mit einem gewissen Wert, der bei der Zusammenstellung eines Ausrüstungssets berücksichtigt werden muss. Bis zu drei Gegenstände kann man mit sich führen, jedoch nur, wenn diese nicht zu „teuer“ sind. Das gleiche Limit gilt bei den Perks, von denen so also auch bis zu drei aktiviert werden können. Schnelleres Bewegungstempo, mehr Start-Munition oder, oder, oder; die Auswahl ist, bei beiden Fraktionen, umfang- und abwechslungsreich. 

Mit der Zeit schaltet man zudem neue Klassen frei, die dann beispielsweise mit anderen Limits daherkommen, dafür aber andere Waffentypen benutzen können und über andere Attribute verfügen. Weniger Lebenspunkte, dafür aber mehr Ausdauer und Bewegungstempo? Jede Klasse hat ihre Vor- und Nachteile und sollte in einer gut durchgemischten Gruppe vorhanden sein. Ein spielerischer Nachteil, der jedoch nur auf die ersten Stunden zutrifft, ist jedoch die bereits erwähnte Monotonie zu Beginn des Spiels. Mit nur einer Klasse und – in den meisten Gruppen – der exakt gleichen Klassenkonstellation, kommt schnell ein gewisses Gefühl von Langatmigkeit auf. Ein Umstand, der sich jedoch mit der Zeit auflöst. 

Zusätzliche Erfahrungspunkte erhält das „Feuerteam“, wenn sie zudem den stillen Jäger, den Predator, zur Strecke bringen und dessen Kadaver dann mit möglichst wenig Schaden bis zum Ende des Matches durchbringen. Sobald dieser besiegt wurde, werden ohne Ende feindliche Soldaten auf dessen Fund aufmerksam und wollen ihn zerstören. Bis der rettende Helikopter das Feuerteam und die wertvolle Beute aus dem Dschungel holt, muss dieser somit beschützt werden. 

Der Predator kann zudem in diesem Falle seine Selbstzerstörung aktivieren, die unter schallendem Gelächter des hässlichen Ungetüms nervenaufreibend anfängt, zu piepen, bis sie letzten Endes die Mission mit einem lauten Knall beendet. Spieler, die sich zur Zeit der Explosion noch im Radius der Bombe befinden, beenden die Mission mit einem negativen Ergebnis. 

Wie man dem Schädel am Gürtel entnehmen kann, ist das Feuerteam bereits um ein Mitglied kleiner.

Alternativ kann man jedoch versuchen, die Mission „einfach“ abzuschließen und mit dem Helikopter evakuiert zu werden. In dem Fall bleibt der Predator am Leben, aber frustriert zurück. Damit dieser Umstand nicht eintritt, muss der Predator, der von einem Spieler in der Third-Person-Perspektive gespielt wird, das Team ausschalten. Bevor dies geschehen kann, muss der Jäger seine Beute jedoch zunächst ausfindig machen. Spieler können mit Schalldämpfern oder Schlammpaketen das komplexe Equipment des Predators austricksen. Ist beides nicht gegeben, können die menschlichen Ziele mit der Wärmesicht entdeckt oder mit dem hoch sensiblen Sonar gehört werden. 

Um sich den Soldaten zu nähern kann der Predator sich mit dem sogenannten „Predkours“ in den Baumwipfeln bewegen und auch weite Sprünge durchführen, um von Baum zu Baum zu hüpfen. Mit unterschiedlichem Equipment können die Soldaten, und auch die in der Map umherwandernden NPCs, abgelenkt und voneinander isoliert werden. Wurfnetze, akustische Ablenkungssender, Bewegungssensoren oder Bärenfallen; der Predator macht seinem Namen alle Ehre. 

Für die Erfahrungspunkte-Bewertung am Ende des Matches ist es zudem wichtig, sich wie ein ehrenvolles Mitglied der Yautja zu verhalten. Dazu gehört auch, seine Beute im Tarnmodus zu observieren, sie zu desorientieren und schlussendlich mit einer Spinal-Extraktion an den eigenen Trophäengurt zu befördern. Solange dies noch nicht geschehen ist, können andere Mitglieder des Feuerteams besiegte Verbündete „wiederbeleben“, indem Verstärkung angefordert wird.  

Der Dschungel ist durchaus lebhaft und atmosphärisch inszeniert.

Vor allem dann ärgerlich, wenn man das Feuerteam bereits ihrer Primärressourcen entledigt hat, indem man ihnen mit sinnvoll gestellten Fallen und Hinterhalts-Attacken Unmengen an Munition und Ausrüstungsgegenständen entlockt hat. Wenn das Feuerteam mit der Mini-Gun durch den Wald ballert, weil sie da „was gesehen haben“, hat man sein Ziel durchaus erreicht. Denn auch wenn Munition und beispielsweise Medi-Kits in der Gegend sichergestellt werden, so sind sie dennoch endliche Ressourcen in einer Gegend, in der auf jedem Baum und hinter jeder Ecke ein transparentes Wesen mit übermenschlichen Kräften und Interesse an Nahkämpfen lauern kann. 

So heißt es also: Zusammenbleiben und kommunizieren vs. Isolieren und verwirren. Mit einem umfangreichen Kontext-Menü können einfache Kommandos, wie „Lasst uns die Mission abschließen“ oder „Ich brauche Hilfe“ an das Team weitergegeben werden, wohingegen der Predator mit dem gleichen Menü die Stimmen des Teams imitieren kann, um so Spieler in die Irre zu führen.  

Predator: Hunting Grounds ist unter den asymmetrischen Mutliplayer-Erlebnissen sicherlich kein heiliger Gral, aber vermeidet viele der üblichen Fehler und baut auf eine klare, vom eigenen Spielfluss getriebene Progression auf. Die Auswahl an Perks, Gegenständen, Waffen und Mods ist gewaltig und bietet für einiges an Spielzeit freischaltbares Material, kosmetische Gegenstände werden ebenfalls freigespielt und es sind keinerlei finanzielle Extra-Mittel notwendig oder möglich, um die Spielbalance zu den eigenen Gunsten zu beeinflussen. Top.  

Wenn es noch stehende Team-Mitglieder zerreißt, kann man natürlich nicht mehr wiederbelebt werden.

Die einzigen Mini-Mankos, welche wir zu Beginn unserer Reise feststellen konnten, war die etwas seichte KI der Dschungel-NPCs und das unausgewogene Verhältnis zwischen Frischling-Feuerteam und Frischling-Predator. Erst mit freigeschalteten Gadgets kann der Predator mit seinen menschlichen Kontrahenten so richtig mithalten. Wenn vier Spieler gut zusammenarbeiten und sich nicht in alle Winde zerstreuen, hat ein Junior-Predator kaum eine Chance. 

Auf technischer Ebene hat der Titel da schon mehr Problemchen. Mikro- bis Medi-Ruckler beim Spielen, teilweise enorm lange Matchmaking-Zeiten, die sich zu langsam aufbauenden Texturen und eine ziemlich instabile Performance in den Anpassungsmenüs weisen deutliches Verbesserungspotential auf. Asynchroner Sound, Cutscene-Glitches und weitere, kleinere Probleme runden das durchschnittliche Gesamtbild der technischen Präsentation daher ab. Aber, wenn der Titel ein Match geöffnet hat und die ersten Ladeschwierigkeiten abgeschlossen sind, läuft es zumeist relativ rund, wenn man von den unregelmäßigen Rucklern mal absieht. 

Einen saftigen Pluspunkt erhält der Titel für seine musikalische Untermalung. Hier geht das Team von Illfonic keinerlei Risiken ein und präsentiert in den Menüs sowie auch während der Matches exakt die auditive Tapete, die man von einem Predator-Film erwarten könnte. Subtil maskulines Gebrumme, am Nervenkostüm kratzende Streichereinlagen und dieses gewisse Maß an Hektik, welches nun einmal aufkommt, wenn eine (fast) unsichtbare Kreatur aus den Weiten des Alls Jagd auf einen macht. Wir fühlten uns beim Spielen in die Welt von Arnie & Co. Versetzt. Die Musik hat für dieses immersive Gefühl einen erheblichen Teil mit in die Waagschale geworfen. 

Als riesiger Predator-Fan, der quasi jedes erdenkliche Material, sei es in Film, Spiel- oder Buch/Comic-Form, konsumiert hat, gehe ich stets mit hohen Erwartungen an die Spiele der Reihe heran. Leider wurden diese Erwartungen in der Vergangenheit nicht selten enttäuscht. Zu flach, zu wenig Flair, zu “irgendwie schlecht”. Predator: Hunting Grounds hat mich dahingehend positiv überrascht. Ja, die Match-Wartezeiten sind teilweise arg lang und ja, die technische Umsetzung hat ihre Schwächen. Schleicht man jedoch mit 3 Kameraden/innen durch die “grüne Hölle” und versucht möglichst unauffällig seine Mission zu erfüllen, während man nervös die Flugbahn von aufgeschreckten Vögeln zurückverfolgt und die Baumkronen nach einem flirrenden Etwas absucht, ist man angekommen. Diese besondere Atmosphäre, die diese hässlichen Wesen mit sich bringen, wurde von den Illfonic Studios perfekt eingefangen. Wer auch nur im Ansatz Interesse an asymmetrischen Multiplayer-Erfahrungen hat oder, wie ich, die Predator-Reihe liebt, MUSS zugreifen. 

Bewegte Bilder sagen mehr als tausend Worte, daher haben wir zwei Videos vorbereitet, in denen ihr das Spiel aus beiden Perspektiven sehen könnt. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. Längere Match-Making-Zeiten haben wir natürlich weggeschnitten.

Predator: Hunting Grounds - Das GameWire-Review
  • 8.9/10
    Gameplay - 8.9/10
  • 9/10
    Sound - 9/10
  • 7.9/10
    Grafik - 7.9/10
  • 7.7/10
    Steuerung - 7.7/10
8.4/10