2. Dezember 2020

Pikmin 3 Deluxe – Das GameWire-Review

Die Wii U kann man gut und gerne als Bruchlandung einstufen. Mit gerade einmal ~14 Millionen verkauften Einheiten weltweit hat sich bis Dato – und nach kürzerer Zeit – mit ~70 Millionen verkauften Switchs bereits klar herausgestellt, dass auch Nintendo nicht immer alles gelingt. Für alle Switch-Spieler gereicht dieser Umstand zum Vorteil, so kann man ansonsten verpasste Hits der vorherigen Generation zumeist in einer „Deluxe“ oder „Definitive“-Variante erleben, die in den meisten Fällen nicht nur ein wenig besser aussehen, sondern auch weiteren Content bereithalten, beziehungsweise zumindest in einer Komplett-Fassung erscheinen.

So auch Pikmin 3, welches ursprünglich auf der Wii U erschien und nun für die Switch in eben dieser „Deluxe“-Edition neu aufgelegt wurde. Die stärkste (erste) Verkaufswoche in Japan beweist, dass der Transfer des hervorragenden Titels absolut berechtigt war. Unser Review soll Aufschluss darüber geben, was sich alles in ihm verbirgt!

Im Kamera-Modus lassen sich nicht nur Schnappschüsse machen. Man kann so auch die Gegend observieren.

Wer im eigenen Ökosystem nicht haushalten kann, der muss entweder mit den Konsequenzen leben oder sich nach Alternativen umschauen. So auch die Bewohner des Planeten Koppai, die drei Astronauten, Captain Charlie, Alph und Brittany, losschicken, um in naheliegenden System nach Planeten zu suchen, auf denen Nahrungsmittelquellen erschlossen werden können.

Die drei finden auf einem weiter entfernen Planeten, PNF-404 (hehe), Anzeichen von geeigneten Pflanzen, Früchten und dergleichen und planen daher, ihr Raumschiff, die Drake, auf der unbekannten Kugel zu landen und das Gebiet zu erforschen. Es kommt, wie es kommen muss, die Drake gerät in der Umlaufbahn ins Taumeln und zerschellt, die drei werden bei der Bruchlandung getrennt und landen in weit voneinander entfernten Zonen auf PNF-404. Bevor die drei also ihre Mission in Angriff nehmen können, müssen sie sich zunächst erst wiederfinden, allen Gefahren zu Trotz.

Die Geschichte beginnt mit Alph, der direkt die roten, namensgebenden, Pikmin findet und versteht, dass sie durch Pfeiftöne kommandiert werden können. Ob sie nun schwere Sachen tragen, gefährliche (wenn auch zumeist niedliche) Monster angreifen oder auch Barrieren aus dem Weg räumen sollen; die Pikmin sind loyale und vor allem fleißige Gehilfen, die Alph und Co. zur Seite stehen, bis sie dahinscheiden. Dies geschieht relativ schnell und in meistens in Scharen, so können die meisten Pikmin nicht schwimmen, vertragen keine Elektrizität und werden von Monsterangriffen recht schnell aus den nicht existenten Socken gehauen.

Bosse sehen zwar niedlich aus, haben aber fiese Attacken auf Lager. Jeder Boss bedarf einer speziellen Taktik und der Nutzung der richtigen Pikmin. Cool!

Hierfür gibt es jedoch im weiteren Verlauf des Spiels spezielle Pikmin-Arten, die jeweils mit einem besonderen Talent daherkommen. Rote Pikmin sind immun gegen Feuerschaden und sind zudem talentierte Nahkämpfer, blaue Pikmin können auch im Wasser überleben und so beispielsweise Objekte bergen oder Abkürzungen erschließen. Gelbe Pikmin ermöglichen es, offene Stromleitungen zu reparieren und Stromkreisläufe wiederherzustellen, können aber auch Elektrozäune zerstören. Fels-Pikmin sind kleine, laufende Steinklumpen, die beispielsweise Kristalle oder Glasbarrieren zerstören können. Flügel-Pikmin können über Wasser fliegen oder störende Objekte in die Höhe heben. Außerdem gibt es noch versteckte Arten im Spiel zu finden, aber ganz im Sinne des schwarzen Yoshis, werden wir an dieser Stelle keine weiteren Details verraten!

Ziel des Spiels ist es, möglichst viele Fruchtarten, die es auf PNF-404 zu finden gibt, zu bergen und im Computer der Drake zu archivieren. Hierfür hat man im Tages-Rhythmus bis zu 100 Tage Zeit, wobei ein einzelner Tag 13 Minuten dauert. Bricht die Nacht ein, gehen die drei Astronauten zurück an Bord ihres Schiffes und positionieren sich in einer sicheren Umlaufbahn des Planeten, um den Fängen nachtaktiver Kreaturen zu entgehen. Die gesammelten Pikmin, die sich aus Blüten und den Überresten besiegter Monster herstellen lassen, werden in einer sogenannten Pikmin-Zwiebel aufbewahrt, die sich ebenfalls in die Umlaufbahn des Planeten zurückzieht.

Am Morgen des Folgetags kann man seine Pikmin dann wieder aufwecken, wobei sich hier ein Limit von 100 Pikmin, die sich gleichzeitig in der Welt aufhalten können, auf die Wahl der jeweiligen Begleiter auswirkt. Im Menü der Zwiebel lassen sich so die unterschiedlichen Farben aufteilen, je nachdem, was man als nächstes so vorhat. Von der Drake aus kann man zu Beginn eines Tages ein Areal wählen, in dem entweder eine neue Aufgabe wartet oder eben noch eine neue Frucht zu finden ist.

Ist es ein Stein? Ein Kohleklumpen? Nein, es sind Pikmin! Die Fels-Pikmin sind besonders robust und können helfen, hartnäckige Barrieren zu durchbrechen.

Auch wenn das Tag-Nacht-System sehr gut ins Narrativ und den generellen Aufbau des Titels passt, so kommt das System oft im „falschen Moment“ mit dem Schlusspfiff. Wird dieser eingeläutet, verliert man alle Pikmin, die sich nicht aktuell im direkten Kommando eines Astronauten befinden und wird automatisch zurück an Bord der Drake gebracht. Des Nachts, auch wenn es gefährlich wäre, umherzustreifen und gegebenenfalls sogar weitere Forschungen anstellen zu können, hätte uns hier definitiv besser gefallen. So kommt es leider vor, dass man mitten in einem Bosskampf in die Drake gebracht wird und den Kampf dann erst neu starten muss. Einziger Pluspunkt an diesem Umstand ist, dass der Kampf an exakt der Stelle weitergeht, an der er unterbrochen wurde. Der Weg zum Boss und das Neuauswählen der Pikmin ist aber dennoch ein nerviger Umstand, wenn es denn vorkommt.

Hat man einen Tag beendet, werden sämtliche Erkenntnisse des Tages verarbeitet und die drei Astronauten nehmen eine Ration gepresster Früchte zu sich. Hat man keinerlei Nahrungsquelle mehr, muss man sich entweder am Folgetag möglichst zügig auf die Suche begeben oder erlebt ein rasches Ende. Informationen über auffindbare Objekte, wie nützliche Datenlogs oder eben neue Früchte, können jedoch bei der Missionsauswahl behilflich sein, um den Folgetag zu planen.

Pikmin 3 Deluxe ist eine nette Mischung aus Rätsel-Spaß, mild-taktischen Kämpfen und Explorationsgameplay und weist zudem noch einiges an Neuerungen auf, im Vergleich zum Original-Titel der Wii U. So kann man nun das komplette Spiel auch lokal zu zweit durchspielen, da man ohnehin zumeist mit mehr als einem Astronauten unterwegs ist. Spielt man allein, wechselt man zwischen den drei Helden hin und her, um so beispielsweise höhergelegene Orte mitsamt einer kleinen Truppe Pikmin zu erforschen (keiner der Helden kann springen, aber geworfen werden).

Ebenfalls neu sind zwei weitere Episoden, in denen man Olimar, den legendären ersten Astronauten des GameCube-Erstlings, oder Louie, seines Zeichens der Astronaut aus Pikmin 2, spielt und so noch mehr über die Geschichte erfahren kann. Der Prolog, sowie auch der Epilog sind jederzeit anwählbar und erweitern so den ohnehin großen Umfang um einige Spielstunden. Cool! Und auch diese Episoden lassen sich zu zweit spielen, wenn gewünscht.

Auf Wunsch können die Pikmin auch Barrieren, wie hier diese Pilze, aus dem Weg räumen. Für manche Blockaden bedarf es aber speziellen Helfer. Die Pilze gehen aber auch so klar.

Neue Schwierigkeitsstufen, wie etwa der Ultra-Motivier-Modus, lassen sich ebenfalls anwählen und profitieren von der allgemein verbesserten Kontrolle der Figuren. Das Anvisieren und Zielen mit den Pikmin, sowie die Kontrolle in den Menüs und in der Welt, wurden angepasst und ermöglichen mehr Souveränität in jeder Lebenslage, auch wenn die schiere Menge an Funktionen die Tastenbelegung an ihre Grenzen treibt und so ab und an zu ungewollten Aktionen führt.

Medaillen für abgeschlossene Herausforderungen, sowie die sogenannte „Piklopedia“, in der es allerlei Infos zu Helden und Kreaturen des Spiels freigeschaltet werden können kommen ebenfalls dazu. Kurzum: Pikmin 3 Deluxe hat diesen Namen absolut verdient und wartet mit einem beachtlichen Umfang auf, der ohne Ende Spaß verspricht und für eine lange Zeit zu motivieren weiß.

Und auch wenn wir keinen Quantensprung erwarten dürfen, hat sich natürlich auch technisch ein wenig was getan. Der Titel nutzt die leicht verbesserte Hardware der Switch, um die Ladezeiten zu verkürzen, die Framerate insgesamt stabiler zu halten und dabei auch noch unverschämt gut auszusehen. Klar, ein AAA-Optik-Blockbuster muss man nicht erwarten, aber wir haben selten eine so liebevoll gestaltete Flora und Fauna gesehen. Vor allem das wunderschöne Wasser hat es uns angetan.

Und auch Sound und Musik machen eine gute Figur, obgleich man von den unverständlichen “Sprach”-Geräuschen, die an Professor I. Gidd aus Luigis Mansion erinnern, halten kann, was man will.

Pikmin 3 Deluxe - Im GameWire-Review
  • 9.4/10
    Gameplay - 9.4/10
  • 7.5/10
    Sound - 7.5/10
  • 9.5/10
    Grafik - 9.5/10
  • 7.1/10
    Steuerung - 7.1/10
8.4/10

Pikmin 3 Deluxe - Im GameWire-Review

Pikmin 3 Deluxe ist genau das. Eine Deluxe-Fassung eines ohnehin schon sehr guten Spiels. Wer keine Wii U sein Eigen nennt oder je genannt hat oder den Titel einfach ausgelassen hatte, sollte kein weiteres Mal an der Packung im örtlichen Media-Laden (oder eShop) vorbeiwandern. Hier holt man sich einen Hit ins Haus!

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