23. September 2020

Control: The Foundation – Das GameWire-Review

Anzunehmen, dass Jesse Fadens Aufgabe mit dem Ende des 2019 erschienen Control ihren Höhepunkt erreicht haben, wäre nur allzu töricht gewesen. Immerhin steckt das Alte Haus, die Verbindung zur astralen Ebene, voller Geheimnisse und Mysterien, die teilweise offenbar nur darauf warten, dass so etwas wie Ruhe eintritt, ehe sie sich selbst zu offenbaren versuchen. Dementsprechend setzt The Foundation, der erste von zwei geplanten DLC, nach dem Ende der Hauptstory ein und führt die mitunter wirre, aber immer fesselnde Narrative des Hauptspiels fort. Wie gut das gelingt, soll der folgende Test klären.

Die Geschichte des DLC dabei zusammenzufassen, erweist sich genauso schwierig wie bereits im Hauptspiel. Natürlich gibt es da einige Punkte, die sich aufzählen lassen, aber den gesamten Umfang der erzählten Story kann man letztlich nur dann verstehen, wenn man sich die verschiedenen (sammelbaren) Dokumente und Audio-Logs durchliest, beziehungsweise anhört. Wer das hervorragende Action-Adventure Control allerdings durchgespielt hat – was dringende Voraussetzung ist um den DLC starten zu können – erhält direkt die neue Hauptmission The Foundation, in der es Direktorin Jesse in das Fundament des Alten Hauses führt.

Dazu wird sie im Vorfeld von Helen Marshall über die Hotline kontaktiert, eine Methode, die Spielern des Hauptspiels gewiss in Erinnerung geblieben ist, und die mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet. Gleiches gilt übrigens für den weiteren Verlauf der gut fünf bis sechs Stunden langen Erweiterung. Zwar werden einige Dinge offenkundig erklärt, viele weitere bleiben aber im Schatten verborgen. So müssen die SpielerInnen weiterhin hoffen, dass der zweite DLC “AWE” mehr Licht ins sprichwörtliche Dunkel bringen wird. Einige elementare Dinge, wie die Funktionsweise des Nagels und die Absichten des Formers, der offenbar in Konkurrenz zu dem übermächtigen Board steht, bleiben indes Rätsel.

Dass das allerdings kein allzu großer Kritikpunkt ist, liegt an der generellen Erzählstruktur des Hauptspiels, die hier eben konsequent fortgesetzt wird. Als SpielerIn ist es zwar kein befriedigendes, wohl aber ein wohltuendes Gefühl hinter jedem aufgedeckten Mysterium ein neues Geheimnis zu entdecken. So scheinen auch die anderen Hauptfiguren, denen man im Laufe der Story-Missionen begegnet, mehr zu raten, denn sich auf tatsächliches Wissen berufen zu können. Wir müssen akzeptieren, dass das Alte Haus nicht wirklich greifbar ist, sondern eine Macht, in der die SpielerInnen und NPCs eine Rolle übernehmen, die es bestmöglich zu erfüllen gilt.

Aber egal ob man mit der mitunter etwas wirren Erzählstruktur etwas anfangen kann, oder auch nicht, so bleibt The Foundation vor allem eines, nämlich wundervoll spielbar. Auch hier wird auf dem, nun ja… Fundament von Control aufgebaut und dieses sinnvoll ergänzt. Die grundlegenden Fähigkeiten Jesses bleiben selbstverständlich erhalten, so dass man sich schwebend, rennend und springend fortbewegen und den feindlichen Hiss dank der Launch- und Shield-Fähigkeiten alles entgegenwerfen kann, was die Umgebung so hergibt. Das war im Hauptspiel schon frisch und unverbraucht und bleibt genauso im DLC erhalten. Zudem kann man in den zahlreichen, verwinktelten Höhlen und astralen Ebenen nun kristalline Felsformationen an vorgebenen Punkten erschaffen, oder sie dank einer weiteren Fähigkeit späterhin sogar zerstören.

Im Kampf gegen die Hiss-Schar können so Fallen aktiviert werden, wie aus dem Boden schießende Spieße oder plötzlich verschwindender Untergrund, was noch mehr Abwechslung in die ohnehin schon gut gelungenen Kampfmechaniken bringt. Außerdem unterstreichen diese Fähigkeiten nochmals den Metroidvania-Charakter Controls. In jeder Ecke, in jeder Map, gibt es unzählige Geheimnisse zu entdecken. Während man anfangs noch ohne neue Fähigkeiten durch den komplett neuen Spielbereich streift, muss man sich schon merken an welcher Stelle man dank selbst kreierter Plattformen hätte weiterkommen und wo man Barrikaden hätte vernichten können, um an Mods oder weitere sammelbare Gegenstände zu kommen. Auch in The Foundation wird die Erkundung belohnt.

Die Spielumgebungen sind dank Einbindung der astralen Ebene in das höhlenartige Fundament des Alten Hauses nicht nur wunderbar gelungen, sondern eben auch abwechslungsreich gestaltet. Natürlich dürfen die aus dem Hauptspiel bekannten Bürokomplexe aber auch nicht finden. Letztlich bleibt hier alles irgendwie beim Alten, man findet sich immer wieder an Orten, mit denen man so eben nicht gerechnet hätte. Plattforming-Sequenzen und kleinere Rätsel lockern das Spielgeschehen zwischen den Kämpfen zusätzlich auf.

Wer neben den sammelbaren Dokumenten und Gegenständen wirklich alles finden möchte – was aufgrund der interessanten Geschichten dahinter absolut zu empfehlen ist – wird neben den recht linear erzählten Story-Missionen noch auf einige Nebenaufgaben stoßen, die mit zu dem besten gehören, was Control als Ganzes zu bieten hat. Allzu viel wollen wir an dieser Stelle natürlich nicht verraten, aber sowohl die Jagd nach Katzen als auch das Aufspüren eines außer Kontrolle geratenen Objektes der Macht, machen nicht nur viel Laune, sondern sind auch auf eine außergewöhnliche Art und Weise inszeniert. Zwar hätte gerade letzteres ein paar zusätzliche Checkpoints vertragen können, dies ändert aber nichts an der hervorragenden Inszenierung der Mission. Audiovisuell ist sie auf einem tollen Niveau.

Das gilt übrigens für die komplette Erweiterung, auch wenn auf technischer Seite weiterhin einige Probleme bestehen bleiben. Zwar wurden generell mehr Checkpoints integriert, was für weniger Frust sorgt und die Map in einem kostenlosen Update überarbeitet, was die Orientierung erleichtern sollte, aber einige Unzulänglichkeiten wurden immer noch nicht ausgebügelt. Wer das Spiel auf der PlayStation 4 beispielsweise pausiert und dann weiterspielen möchte, sollte sich darauf gefasst machen, dass der Titel erst einmal für einige Sekunden hängt und an tatsächliches Spielen nicht zu denken ist.

Dafür lief The Foundation auf der PS4 Pro sonst weitestgehend flüssig – abseits des genannten “Pause-Problems”. Optisch bleibt natürlich alles beim Alten: Die Charaktere, Animationen und Umgebungsgrafiken sehen außerordentlich gut aus, die Mimik hingegen überzeugt auch weiterhin nicht. Dadurch, dass es aber ohnehin nur wenige Zwischensequezen gibt, ist das aber verschmerzbar. Der Soundtrack und die Synchronfassung sind auch im DLC auf einem sehr hohen Niveau – egal ob auf Englisch oder Deutsch.

Fazit

Ich muss zugeben, dass ich mich sehr auf die erste Erweiterung von Control gefreut habe, immerhin war es eines meiner liebsten Spiele des Jahres 2019. Und The Foundation liefert in jeder Hinsicht ab. Die Geschichte wird einerseits fortgesetzt, aber auch um neue Mysterien ergänzt und Jesse muss beweisen, ob sie als Direktorin des FBC taugt oder nicht. Ob die nächste Erweiterung es schaffen wird, auch einige Fragen zufriedenstellend zu beantworten, bleibt natürlich noch offen. Ich hoffe es aber sehr.

Unabhängig davon fesselt The Foundation und erweitert die Spielmechaniken um neue Fähigkeiten und die Gebiete um neue Rätsel und Umgebungen. Es hat sehr viel Spaß gemacht, nochmals in das Alte Haus einzutauchen und sich den Hiss entgegenzustellen. Story-Missionen wie Nebenmissionen sind toll inszeniert und schaffen das, was sie sollen: Sie machen Lust auf mehr! Mit einer Spielzeit von gut fünf bis sechs Stunden ist der erste DLC natürlich kein Schwergewicht, bietet aber eine mehr als unterhaltsame Erfahrung.

~ The Foundation ist ab sofort für PC und PlayStation 4 erhältlich. Der DLC erscheint erst im Juni für Xbox One. Wir haben die PS4-Version auf einer PS4 Pro getestet. ~

  • 9/10
    Gameplay - 9/10
  • 8.5/10
    Sound - 8.5/10
  • 8.5/10
    Grafik - 8.5/10
  • 8/10
    Steuerung - 8/10
8.5/10

Zusammenfassung

Neue Fähigkeiten, ein neuer Handlungsstrang und zahlreiche neue Herausforderungen: The Foundation erweitert und ergänzt das Hauptspiel um neue Komponenten und ist abwechslungsreich und sicher inszeniert. Wäre nicht die Lust nach noch mehr Inhalten (ein an sich gutes Zeichen), ich wäre rundum glücklich!