21. September 2020

Two Point Hospital – Das GameWire Review

Im Jahr 1997 veröffentliche das legendäre Studio Bullfrog Productions einen mittlerweile ebenso legendären Titel, der das Management und den Aufbau eines Krankenhauses mit humorvollen Akzenten verband und nicht zuletzt aufgrund seiner prägnanten Optik zu einem Hit wurde. Die Rede ist von Theme Hospital, welches bis Dato nach einem vergleichbaren Titel Ausschau hielt. Hielt? Genau, denn Veteranen des ehemaligen Bullfrog Studios haben sich unter dem Namen „Two Point Studios“ zusammengetan und mit „Two Point Hospital“ einen geistigen Nachfolger zu ihrem Klassiker entwickelt. Kann der was? Das sollen die folgenden Zeilen klären!

Die Kampagne führt den Spieler/die Spielerin in das verschlafene Two Point County, in dem ein Krankenversorgungsunternehmen aufgebaut werden muss. In 15 Missionen müssen die unterschiedlichsten Krankenhäuser aufgebaut und wirtschaftlich stabil gehalten werden, um so jeden der genannten Aufträge erfolgreich abschließen zu können.

Aber fangen wir weiter vorn an. In jeder Mission muss sich zunächst mit dem vorhanden Grundriss vertraut gemacht werden. Dieser ist in jeder Mission etwas anders aufgebaut und fordert so stets eine leicht andere Herangehensweise, wenn es darum geht, die notwendigen Räume unterzubringen. Zwar werden es von Mission zu Mission immer mehr Räume, die man bauen kann, bzw. bauen muss, um alle Krankheiten behandeln zu können, die so mit der Zeit dazukommen, jedoch variiert der Inhalt ansonsten überhaupt nicht. Das führt dazu, dass jede Mission erst einmal komplett gleich startet und sich bis auf kleine Eigenarten, wie z.B. enorme Kälte oder Erdbeben, kaum voneinander abheben.

Jeder Raum erfüllt einen bestimmten Nutzen und benötigt daher spezielle Objekte. So können Ärzte das Erstgespräch nur dann durchführen, wenn sie einen Schreibtisch und einen Aktenschrank haben und damit das Pflegepersonal Medikamente an die Patienten ausgeben können, Bedarf es einer Apotheke mit dem richtigen Equipment. Die Komplexität der Behandlungsräume weicht dabei jedoch kaum von 1-3 notwendigen Objekten ab und der Editor priorisiert diese Objekte ebenfalls und erlaubt die Fertigstellung des jeweiligen Raumes nur, wenn alles platziert wurde, was auch dabei sein muss.

Mit der Zeit schaltet man zudem weitere Krankheiten und die passenden Behandlungen frei, die sich natürlich allesamt nicht ganz so ernst nehmen. Patienten mit „hellem Köpfchen“ zum Beispiel tragen eine riesige Glühbirne auf dem Hals, die abgeschraubt und gegen einen richtigen Kopf ersetzt wird. Leidet man etwa unter „Topfschmerzen“ lässt sich ebenfalls die richtige Behandlung in einem Two Point Hospital finden. Die Krankheiten sind allesamt sehr witzig und mit Liebe zum Detail dargestellt. Ebenso die niedlichen Behandlungsanimationen, bei denen es sich definitiv lohnt, zumindest einmal näher heran zu zoomen, um einfach zuzuschauen.

Behandlungsräume, Stationen, Weiterbildungsräume und Toiletten reichen aber nicht aus, um ein Krankenhaus erfolgreich zu betreiben. Ohne Personal geht eben nichts. Dieses kommt in vier unterschiedlichen Kategorien daher: Ärzte, Pfleger, Assistenten und Hausmeister. Ärzte werden für Diagnosen und diverse Behandlungen benötigt, ebenso wie Pfleger, die sich um Patienten auf Station kümmern, untersuchende Behandlungen durchführen oder Medikamente ausgeben. Assistenten betreiben den Empfang und leiten Patienten von A nach B und Hausmeister kümmern sich um die Sauberkeit auf den Fluren, die Instandhaltung vom Equipment und saugen Geister von Verstorbenen weg. Letzteres sollte nicht allzu oft vorkommen, ansonsten läuft etwas gehörig schief.

Personal auszuwählen gehört ebenso zum Management-Job eines Krankenhausverwalters und so müssen bei jeder Neueinstellung die Qualifikation mit den Gehaltsvorstellungen verglichen werden, denn nicht jede neu eingestellte Person kann alle Fachgebiete abdecken oder bringt gar die notwendige Motivation mit, sich einzubringen. Solche Faktoren im Auge zu behalten, um nicht von überhöhten Kosten überrollt zu werden, ist auch Teil der Aufgabe.

Denn neben dem Aufbau des Krankenhauses, der sich dank angenehmer Pause-Funktion nicht einmal besonders stressig darstellt, ist Two Point Hospitals auch ein klein wenig Wirtschaftssimulation. Dank übersichtlicher Grafiken und vieler nützlicher Tipps kann man jedoch recht einfach die Bilanzen im Auge behalten und Problemzonen identifizieren. Ob nun die Reputation zu schlecht ist oder das Personal zu ungebildet; es gibt immer eine Lösung, die zur Effektivität des Betriebs beitragen kann.

Ziel einer jeden Mission ist es, Sterne zu sammeln. Davon gibt es pro Mission 3 und jeder einzelne ist an gewisse Ziele geknüpft. Den ersten Stern zu holen, um dann das nächste Kapitel der Kampagne starten zu können, ist relativ einfach gehalten und bedarf zumeist nur wenigen Augenblicken, um erreicht zu werden. Den zweiten und dritten Stern zu ergattern ist jedoch schwieriger und verlangt nach wirtschaftlichem Geschick und Geduld.

So muss man beispielsweise die Qualität seiner Räume aufwerten, was nur durch zusätzliches Equipment oder dekorative Elemente, wie Bilder oder Sitzgelegenheiten, möglich ist. Diese kosten Geld und müssen zudem erst freigespielt werden. Für abgeschlossene Ziele, wie etwa erfolgreich abgeschlossene Notfälle oder den Besuch eines Gesundheitsinspektors, erhält man K Points. Mit K Points lassen sich dann neue Objekte und verbesserte Varianten freischalten.

Und auch wenn die Missionen sehr unterschiedliche zusammengebaut wurden, sind es doch immer die gleichen Trigger, die hier ausgelöst werden. Weitergebildete Mitarbeiter, Umsatzziele, X erfolgreich behandelte Patienten mit Krankheit Y; die Abwechslung bleibt hier auf der Strecke, auch wenn der Kern des Titels durchaus mit einem enorm hohen Spaßfaktor in jede Spielsession startet und so nach hinten raus etwas Boden gut macht.

Und auch optisch ist der Einfluss von Theme Hospital sehr wohl zu erkennen. Man kann sich Two Point Hospital als eine dreidimensionale Fassung des Klassikers vorstellen, die mit knuffigen Animationen, einer kunterbunten Spielwelt und leichter Texturarmut daherkommt. Hier gibt es optisch nichts zu meckern, erhält man doch eine gute Portion Nostalgie oben drauf.

Und auch die auditive Komponente kommt absolut nicht zu kurz, so erinnert der Soundtrack an den Klassiker und bietet zugleich einen modernen Ansatz, der den ulkigen Humor sehr gut einfängt. Zudem kommentieren mit Ulrike Stürzbecher (deutsche Stimme von z.B. Jennifer Aniston und Kate Winslet) und Bernd Vollbrecht (deutsche Stimme von z.B. Antonia Banderas oder Hanzo aus Overwatch) hervorragende Größen der deutschen Synchronsprecherriege den Titel, was dem Ganzen natürlich noch einmal Unmengen an Charme hinzuaddiert.

Und ja, es ist in den meisten Fällen ein Graus, eine Aufbausimulation mit dem Controller zu spielen, doch dank intelligenter Shortcuts und einem simplifizierten Menü spielt sich Two Point Hospital auch mit dem Dualshock erstaunlich angenehm und sorgt zu keiner Zeit für nervige Fingerakrobatik.

 Mit Two Point Hospital haben die (fast) gleichnamigen Entwickler ihren eigenen Klassiker zu neuem Leben erweckt. Der Titel ist komplex, wo er es sein muss und bleibt dennoch jederzeit fair und einsteigerfreundlich. Einzig und allein mehr Diversität beim Aufbau und der Menge an Krankheiten hätten wir uns gewünscht, dennoch ist Two Point Hospital eine klare Kaufempfehlung wert!

Two Point Hospital - Das GameWire Review
  • 9/10
    Gameplay - 9/10
  • 9.5/10
    Sound - 9.5/10
  • 7.5/10
    Grafik - 7.5/10
  • 8.5/10
    Steuerung - 8.5/10
8.5/10