23. September 2020

Ich mochte Immortals: Fenyx Rising lieber als es noch Gods & Monsters hieß

Am gestrigen Abend war es soweit und Ubisoft hat im Rahmen der Ubisoft Forward einige neue Ankündigungen rausgehauen. Gut, zugegebenermaßen war nichts davon wirklich ein Geheimnis, da die Macht der Leaks besonders stark war in diesem Jahr (Ich meine zum Beispiel dich, Prince of Persia). Nichtsdestotrotz war es nach der unterwältigenden Enthüllung der Xbox Series S schön einem namhaften Publisher bei so etwas wie einer Gaming-Show zuzusehen.

Zumindest bis Immortals: Fenyx Rising kam. Diejenigen unter euch, die nicht so viel im Internet, Social Media oder auf unserer Seite abhängen, werden sich jetzt zurecht fragen “Was ist das denn?”. Nun, dabei handelt es sich um ein (scheinbar) chaotisches Open World-Action-Adventure der Assassin’s Creed Odyssey-Macher, das mit durchaus netter Comicgrafik und Kämpfen gegen Götter und andere Wesen aufwarten kann. Klingt gut, meint ihr? Finde ich auch, gar keine Frage.

Aber ich mochte Immortals: Fenyx Rising lieber als es noch Gods & Monsters hieß. Jetzt werden bei dem ein oder anderen natürlich die Glocken zum klingen kommen. Richtig, Gods & Monsters wurde im Rahmen der E3 2019 angekündigt und sollte ursprünglich im Februar diesen Jahres veröffentlicht werden. Gut, das hat offenbar nicht geklappt, passiert. Und so ganz klar war nach dem Teaser-Trailer ja auch nicht, in welche Richtung sich das Spiel entwickeln würde. Aber eine “epische Reise durch die fantastische Welt griechischer Mythologie” in dem Look? Ich war begeistert.

Dieses Nichtwissen, was Gods & Monsters werden würde, hat selbstverständlich meine Fantasie angeregt. Der Titel wurde für mich zu so einem kleinen, wenngleich spekulativen Geheimtipp. In meiner Vorstellung dachte ich an eine Art The Legend of Zelda-Adaption aus dem Hause Ubisoft. Nicht an Breath of the Wild wohlgemerkt, sondern an die klassische Formel aus Tempeln, ebenso sympathischen wie schrulligen Nebencharakteren und taktisch geprägten Bosskämpfen, die diverse Mob-Kämpfe ergänzen können.

Ja, ich bin ehrlich, ich mag die klassische “Zelda-Formel” nach wie vor lieber als die modernisierte Open World-Variante. Und aus irgendeinem Grund hat Gods & Monsters in mir diese Sehnsucht geweckt. Gleichzeitig war mir bewusst, dass Ubisoft ein Stück weit die eigene Open World-Formel mit einbringen würde. Aber nichtsdestotrotz hatte ich eine bestimmte Erwartung – oder nennen wir es Hoffnung – im Hinterkopf.

Es ist ohnehin nicht wirklich nachvollziehbar, warum andere Publisher sich noch nicht wirklich an der klassischen Zelda-Formel versucht haben. Mir ist klar, dass es nicht einfach sein wird, Nintendo in dem zu kopieren (oder sich inspiriert zu zeigen von dem) was sie am besten können. Aber bis auf halbgare Kompromisse und dem wundervollen Okami fehlt es einfach an ernst gemeinten Versuchen.

Und ganz ehrlich, Gods & Monsters ist namentlich so nah dran an diesem vagen, Epik versprühenden Fantasy-Charme trashigerer Tage, darauf hätte man aufbauen können!

Bis der gestrige Abend kam und Gods & Monsters zu Immortals: Fenyx Rising wurde. Es war dieser Moment, der meine Erwartungshaltung nahm und auf den Kopf stellte. Plötzlich wurde aus einer Idee, einer Vorstellung meinerseits etwas seltsam Akutes und Wahres. Gods & Monsters ist kein ubisoftsches The Legend of Zelda. Zumindest nicht die Version, auf die ich hoffte.

Je länger dieser Trailer ging, desto klarer wurde mir, dass uns hier eher die Ubisoft-Variante eines Breath of the Wild erwarten wird. Das ist gewiss nicht schlecht, sondern ganz im Gegenteil besonders ambitioniert, wenn man sich das Presseecho zu Nintendos Ausnahme-Titel ansieht. Aber ich bleibe dennoch enttäuscht zurück.

Dass wir eine neue Heldin bekommen haben, ist durchaus Willkommen. Der bisher gezeigte Protagonist sah schon sehr nach 08/15-Design aus. Dass sie anscheinend stumm sein wird, passt zum angestrebten Spielkonzept. Und auch sieht das Ding nach wie vor gut bis sehr gut aus. Aber gerade im Zusammenspiel mit der Musik und dem angedeuteten Gameplay wurde aus einem Produkt, auf das ich mich erst einmal gefreut habe, eines, das ich irgendwann spielen werde. Eventuell.

Einen Eindruck, den das oben eingebundene, ausführliche Gameplay-Video noch verstärkte. Mir ist bewusst, dass dies ein äußerst subjektiver Beitrag ist, der keinesfalls die allgemeine Meinung des Teams widerspiegelt, oder gar Kritik an diesem noch nicht veröffentlichten Videospiel darstellen soll.

Ganz im Gegenteil glaube ich, dass Immortals: Fenyx Rising ein toller Titel werden kann. Aber genau dieses Genre-Mashup und vor allem der Ausblick darauf, was der Titel werden wird, sorgen dafür, dass ich ihn lieber mochte als es noch Gods & Monsters war. Meine Fiktion wurde von der Realität eingeholt, im Guten wie im Schlechten. Das ist nicht per se negativ, sondern am Ende des Tages ein ganz normaler Vorgang, mit dem wir uns immer wieder konfrontiert sehen. Erwartungshaltung is a bitch.

Dennoch denke ich, dass sich Fans der Genres den 3. Dezember diesen Jahres im Kalender anstreichen können und sollten. Denn dann erscheint das noch immer ambitionierte Projekt für PlayStation 4, PlayStation 5, Xbox One, Xbox Series S / X, Google Stadia und PC.